Ratgeber KI und Pflanzen

Pflanzen bestimmen mit ChatGPT: Wie gut Chatbots Pflanzen erkennen

Was ChatGPT, Gemini und andere Chatbots mit einem Pflanzenfoto anfangen, worin sie sich von Bestimmungs-Apps unterscheiden und wie du ihre Antworten gegenprüfst.

Zwei herzförmige Blätter mit Stielstück und Luftwurzel: links ein einfarbig grünes Blatt des Kletterphilodendron mit trockenem Niederblatt, rechts ein gelb marmoriertes Blatt der Efeutute
Illustration (KI-generiert, nur zur Orientierung)

Kurz gesagt

Pflanzen bestimmen mit ChatGPT geht: Du lädst ein Foto in den Chat und bekommst einen Namen mit Begründung. Ein allgemeiner Chatbot greift aber nicht auf eine geprüfte Pflanzendatenbank zu, zeigt meist keine Liste möglicher Arten und kann laut OpenAI und Google Fehler im überzeugten Ton machen. Frag nach drei Kandidaten mit Unterscheidungsmerkmal, prüf eines davon an der Pflanze und vergleiche mit Pl@ntNet oder Flora Incognita.

  • Ein Chatbot formuliert jede Antwort gleich sicher. Ob sie stimmt, siehst du erst an einem Merkmal, das du selbst an der Pflanze prüfst.
  • Bestimmungs-Apps wie Pl@ntNet zeigen eine Rangliste möglicher Arten und Bildergalerien zum Vergleichen; ein Chatbot meist nur einen Namen.
  • Auch Plant Identifier nutzt ein allgemeines KI-Modell (Google Gemini) und zeigt keine Trefferwahrscheinlichkeit. Dieselben Prüfschritte gelten.
  • Ob eine Pflanze essbar oder für Kinder und Tiere ungefährlich ist, beantwortet kein Chatbot verlässlich.

Immer mehr Menschen laden ein Pflanzenfoto einfach in ChatGPT, Gemini oder einen anderen KI-Chatbot und fragen „Was ist das?“. Pflanzen erkennen mit ChatGPT klappt bei bekannten Arten oft erstaunlich gut, und die Antwort kommt gleich mit Pflegetipps. Der Haken: Ein Chatbot ist kein Bestimmungswerkzeug. Er formuliert eine plausible Antwort, auch wenn sie falsch ist, und sagt dir nicht, wie sicher er sich ist. Dieser Ratgeber zeigt, was dabei technisch passiert, was die Anbieter selbst schreiben und wie du jede KI-Antwort prüfst.

So prüfst du eine KI-Antwort in drei Schritten

Egal ob ChatGPT, Gemini oder eine Pflanzen-App: Ein Name ist ein Vorschlag. Mit diesem Vorgehen holst du mehr aus einem Chatbot heraus und erkennst falsche Antworten.

  1. Besseres Material geben. Lade mehrere Ansichten derselben Pflanze in denselben Chat: ganze Pflanze, Blüte, Blatt von oben und von unten. Gemini nimmt laut Google-Hilfe je nach Verfügbarkeit bis zu 10 Dateien pro Anfrage an. Schreib dazu, wo die Pflanze wächst (Land, Wiese, Balkon, Wohnzimmer) und in welchem Monat du sie fotografiert hast.
  2. Nach Kandidaten statt nach einem Namen fragen. Ein Beispiel: „Nenne drei mögliche Arten mit wissenschaftlichem Namen und für jede ein Merkmal, an dem ich sie an der Pflanze unterscheiden kann.“ So bekommst du eine Liste, die der Chatbot von sich aus meist nicht liefert, und ein Merkmal, das du prüfen kannst.
  3. Das Merkmal selbst prüfen und eine zweite Quelle fragen. Schau dir das genannte Merkmal an deiner Pflanze an. Passt es nicht, ist der Vorschlag falsch, egal wie überzeugt er klang. Lade dieselben Fotos danach in Pl@ntNet oder Flora Incognita und vergleiche mit deren Bildern.

Ein Beispiel für Schritt 3 sind Efeutute und Kletterphilodendron, zwei Zimmerpflanzen mit herzförmigen Blättern, die auf Fotos leicht verwechselt werden. Der Unterschied liegt im Blattstiel: Bei der Efeutute hat er eine Längsrille, beim Kletterphilodendron nicht. Mehr dazu im Steckbrief Efeutute. Ein Chatbot kann dir dieses Merkmal nennen; fühlen musst du es selbst.

Was ein Chatbot mit deinem Pflanzenfoto macht

ChatGPT und Gemini sind große Sprachmodelle, die auch Bilder verarbeiten. Sie sind für Fragen aus allen Bereichen gebaut, nicht speziell für Pflanzen. Wenn du ein Foto hochlädst, beschreibt das Modell, was es sieht, und formuliert einen Namen, der dazu passt. Es schlägt dabei nicht in einer Pflanzendatenbank nach.

Allgemeiner Chatbot Bestimmungs-App wie Pl@ntNet
Grundlage Allgemeines Training auf Text und Bildern Pflanzenfotos, die Nutzer teilen und die Gemeinschaft prüft
Ergebnis Meist ein Name in Fließtext Rangliste möglicher Arten
Vergleich Keine Bildergalerie der vorgeschlagenen Art Bildergalerien und Artenseiten zum Abgleichen
Unsicherheit Wird meist nicht angezeigt Reihenfolge der Liste zeigt sie grob
Stärke Rückfragen, Erklärungen, Pflegefragen im Gespräch Wildpflanzen, mehrere Fotos derselben Pflanze

Pl@ntNet beschreibt in seiner Anleitung zur Bestimmung, dass die App eine Liste möglicher Bestimmungen liefert, nach Sicherheit geordnet, und dass du die Treffer mit den Bildergalerien anderer Nutzer und den Artenseiten vergleichen kannst. Flora Incognita trainiert seine Erkennung unter anderem mit Fotos aus der App Flora Capture, deren Pflanzen Botanikerinnen und Botaniker von Hand bestimmen. Diese Art von geprüfter Grundlage hat ein allgemeiner Chatbot nicht.

Was OpenAI und Google selbst schreiben

Die Anbieter sind in ihren eigenen Dokumenten vorsichtiger als viele Nutzer. OpenAI beschreibt in der Systemkarte zu GPT-4V vom 25.09.2023, dem ersten Bildmodell von ChatGPT, dass das Modell zu Halluzinationen neige und Sachfehler in autoritativem Ton machen könne. Testpersonen berichteten, dass es grundlegende Fehler mit irreführender Selbstsicherheit mache. OpenAI schreibt außerdem, das Modell habe zwar gelegentlich giftige Pilze auf Bildern richtig erkannt, sei aber unzuverlässig und solle nicht für riskante Aufgaben wie das Erkennen gefährlicher Lebensmittel genutzt werden. Die Systemkarte beschreibt ein Modell von 2023, und heutige Modelle sind andere. Sie zeigt aber, wie der Anbieter selbst das Risiko bei Bildern von Pflanzen und Pilzen einschätzt.

Google schreibt im Privacy Hub für Gemini-Apps, dass Sprachmodelle wie Gemini halluzinieren und unrichtige Informationen als Fakten präsentieren können, dass Gemini Fehler machen kann und dass man sich nicht auf Gemini verlassen soll, wenn man eine Diagnose oder anderen fachlichen Rat braucht.

Was Tests zur Pflanzenbestimmung zeigen

Belastbare, unabhängige Vergleiche aktueller Chatbots mit Bestimmungs-Apps sind selten. Ein oft zitierter Test stammt von Kindwise, dem Anbieter des Bestimmungsdienstes Plant.id, vom 21.03.2024. Kindwise schickte 50 Fotos, die Fachleute bestimmt hatten, etwa 60 Prozent davon Zimmerpflanzen, an GPT-4 Turbo und an das eigene Modell. Auf Artebene war bei GPT-4 Turbo der erste Vorschlag in 58 Prozent der Fälle falsch, beim eigenen Modell in 12 Prozent. Unter den ersten drei Vorschlägen fehlte die richtige Art bei GPT-4 Turbo in 36 Prozent, beim eigenen Modell in 4 Prozent der Fälle. In drei Fällen verweigerte GPT-4 eine Antwort.

Lies diese Zahlen mit Vorsicht: Der Test ist nicht unabhängig, denn er stammt von einem Anbieter, der sein eigenes Produkt verkauft; er ist klein, und er prüft ein Modell von Anfang 2024. Er zeigt aber ein Muster, das auch die Anbieterdokumente nahelegen: Ein allgemeines Modell liefert oft einen Namen, der gut klingt, und die richtige Art steckt eher in einer Liste von Kandidaten als im ersten Vorschlag. Deshalb lohnt sich Schritt 2 oben.

Auch spezialisierte Apps sind nicht fehlerfrei. Pl@ntNet schreibt in seinen Stärken und Schwächen, dass trotz Qualitätskontrolle durch die Gemeinschaft Bestimmungs- und Ortsfehler bleiben und dass die App nur einen Teil der rund 350.000 bekannten Pflanzenarten abdeckt.

Und Plant Identifier?

Ehrlich gesagt arbeitet Plant Identifier technisch näher an einem Chatbot als an Pl@ntNet. Die iPhone-App schickt dein Foto über unseren Server an ein KI-Modell in der Cloud, Google Gemini, und braucht deshalb eine Internetverbindung. Sie zeigt ein Ergebnis mit deutschem und wissenschaftlichem Namen, Herkunft, Standortansprüchen und Merkmalen, aber keine Trefferwahrscheinlichkeit und keine Liste ähnlicher Arten. Für jeden Namen aus der App gelten deshalb dieselben drei Prüfschritte wie für ChatGPT.

Was die App anders macht als ein offener Chat: Das Ergebnis kommt immer in derselben Form, du kannst es in deiner Sammlung und im Pflanzenverlauf wiederfinden, und unter jedem Ergebnis schlägt sie drei Rückfragen vor. Frag dort zum Beispiel, woran du die Art von ihrer häufigsten Verwechslungsart unterscheidest. Die Werkzeuge Diagnose und Toxikologie liefern KI-Einschätzungen, keine Laborbefunde und keine amtliche Giftigkeitsangabe.

Wie du Fotos aufnimmst, die jeder KI mehr Merkmale zeigen, steht im Ratgeber Pflanzen bestimmen mit Foto. Wenn weder App noch Chatbot weiterhelfen, kannst du die Pflanze von Fachleuten bestimmen lassen.

Wo kein Chatbot entscheiden darf

Iss keine Pflanze, weil ein Chatbot oder eine App sie benannt hat. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt in seiner Presseinformation zum Bärlauch (07/2023), dass Bärlauch am häufigsten mit dem giftigen Maiglöckchen und der sehr giftigen Herbstzeitlosen verwechselt wird und dass solche Verwechslungen in jeder Saison zu Vergiftungen führen, zum Teil tödlich. Das BfR rät, selbst gesammelten Bärlauch im Zweifel nicht zu essen.

Dasselbe gilt für Fragen nach Heilwirkung und Giftigkeit. Ein Chatbot kann dir erzählen, dass eine Pflanze ungefährlich sei, und dabei die falsche Art meinen. Welche Gartenpflanzen laut amtlicher Liste giftig sind und welche Giftnotrufnummer für dich zuständig ist, steht im Ratgeber Giftige Pflanzen im Garten. Hat ein Kind oder ein Tier etwas von einer Pflanze gegessen, frag keinen Chatbot, sondern ruf sofort den Giftnotruf an: in Deutschland das Giftinformationszentrum deines Bundeslandes, im Norden etwa GIZ-Nord unter 0551 19240, in Österreich die Vergiftungsinformationszentrale unter 01 406 43 43, in der Schweiz Tox Info Suisse unter 145. Bei Tieren ist die Tierarztpraxis die erste Adresse.

Was ein Foto nicht klären kann

  • Ein Chatbot zeigt nicht, wie sicher er sich ist; ein falscher Name klingt genauso überzeugt wie ein richtiger.
  • Nah verwandte Arten, Keimlinge und Pflanzen ohne Blüte trennt weder ein Chatbot noch eine Bestimmungs-App aus einem Foto sicher.
  • Antworten zu Essbarkeit, Heilwirkung oder Giftigkeit sind keine Grundlage, um eine Pflanze zu essen, anzuwenden oder Kindern und Tieren zu überlassen.

Häufige Fragen

Kann ChatGPT Pflanzen erkennen?

ChatGPT kann ein Pflanzenfoto beschreiben und einen Namen vorschlagen, bei häufigen Garten- und Zimmerpflanzen oft passend. OpenAI schrieb 2023 in der Systemkarte zu GPT-4V aber selbst, das Modell mache Sachfehler in autoritativem Ton und sei für riskante Aufgaben wie das Erkennen gefährlicher Lebensmittel unzuverlässig. Prüf jeden Namen an der Pflanze.

Ist ChatGPT besser als eine Pflanzen-App?

Für Rückfragen und Erklärungen ist ein Chatbot bequem. Für die Bestimmung selbst arbeiten spezialisierte Apps wie Pl@ntNet mit einer Liste möglicher Arten und Vergleichsbildern. Ein Test des Anbieters Kindwise von 2024 mit 50 Fotos fand bei GPT-4 Turbo deutlich mehr falsche Artnamen als beim eigenen Modell; der Test ist klein und nicht unabhängig.

Darf ich ChatGPT fragen, ob eine Pflanze giftig ist?

Fragen kannst du, verlassen solltest du dich darauf nicht. Für Giftigkeit zählen amtliche Listen wie die Bundesanzeiger-Liste giftiger Pflanzen und der Giftnotruf. Hat ein Kind oder Tier etwas gegessen, ruf sofort den Giftnotruf an oder geh zur Tierärztin oder zum Tierarzt.

Nutzt Plant Identifier ChatGPT?

Plant Identifier schickt dein Foto über den eigenen Server an ein KI-Modell von Google (Gemini); nur beim letzten Wiederholungsversuch springt ein Modell von OpenAI ein. Die App zeigt einen Namen ohne Trefferwahrscheinlichkeit und ohne Liste ähnlicher Arten, also gelten dieselben Prüfschritte wie bei einem Chatbot.

Quellen

  1. GPT-4V(ision) System Card (25.09.2023) — OpenAI
  2. Privacy Hub für Gemini-Apps — Google, Gemini-Apps-Hilfe
  3. Dateien in Gemini-Apps hochladen und analysieren lassen — Google, Gemini-Apps-Hilfe
  4. The Plant Identification Battle: GPT-4 vs. Plant.id (21.03.2024) — Kindwise (Anbieter von Plant.id)
  5. Identify a plant — Pl@ntNet Documentation
  6. Pl@ntNet's strengths and weaknesses — Pl@ntNet Documentation
  7. Die Flora Capture App — Flora Incognita (TU Ilmenau, Max-Planck-Institut für Biogeochemie)
  8. Bärlauch: Verwechslungen führen häufig zu Vergiftungen (Presseinformation 07/2023) — Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

Aktualisiert am · Geschrieben vom Plant-Identifier-Team · So schreiben wir unsere Ratgeber

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Diese Seite bietet allgemeine Informationen zur Pflanzenbestimmung. Entscheide nie anhand einer Seite oder App, ob eine Pflanze essbar, hautverträglich oder für Kinder und Tiere unbedenklich ist; frage eine Ärztin, einen Tierarzt oder den Giftnotruf.