Pflanzen und Kinder
Giftige Pflanzen im Garten erkennen und einordnen
Die amtliche Liste giftiger Pflanzen von 2021 erklärt, zehn häufige Giftpflanzen in Gärten in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit ihren Doppelgängern und die Giftnotrufe aller drei Länder.

Kurz gesagt
Giftige Pflanzen im Garten sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz vor allem Eisenhut, Tollkirsche, Engelstrompete, Herbstzeitlose und Rizinus (hohes Risiko für Kleinkinder laut amtlicher Liste von 2021) sowie Eibe, Goldregen, Fingerhut, Maiglöckchen, Seidelbast und Oleander (mittleres Risiko). Die Liste ist nicht vollständig. Hat ein Kind etwas davon im Mund gehabt, ruf sofort den Giftnotruf an: in Deutschland regional, in Österreich 01 406 43 43, in der Schweiz 145.
- Verdacht, dass ein Kind eine Pflanze gegessen hat: laut BfR Reste aus dem Mund entfernen, kein Erbrechen auslösen und ärztlich abklären lassen; sofort den Giftnotruf anrufen, im Notfall 112.
- Die Bundesanzeiger-Liste von 2021 nennt Garten- und Wildpflanzen, die bei Kleinkindern mittelschwere bis schwere Vergiftungen auslösen können; sie ist laut GIZ-Nord keine vollständige Liste.
- Viele Giftpflanzen haben giftige Doppelgänger: Goldregen, Blauregen und Robinie stehen alle drei auf der Liste, ebenso Eibe und Lebensbaum.
Im Garten wachsen Pflanzen, die Kinder mit schönen Blüten und glänzenden Beeren anlocken und die trotzdem zu den giftigsten in Mitteleuropa gehören. Diese Seite sagt dir zuerst, was du tust, wenn ein Kind etwas davon im Mund hatte. Danach erklärt sie die amtliche Liste giftiger Pflanzen, zeigt die zehn häufigsten Giftpflanzen in Gärten in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit ihren Merkmalen und nennt die Doppelgänger, die man leicht verwechselt.
Wenn ein Kind etwas gegessen hat
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nennt auf den Pflanzenseiten seines Giftgartens, etwa beim Goldregen, diese ersten Schritte:
- Pflanzenreste aus dem Mund entfernen und den Mund mit Wasser ausspülen.
- Kein Erbrechen auslösen. Auch Tox Info Suisse schreibt: kein Erbrechen herbeiführen.
- Ärztlich abklären lassen. Das BfR rät, das Kind anschließend ärztlich vorzustellen. Ruf sofort den Giftnotruf an, er sagt dir, was jetzt nötig ist. Bei Bewusstlosigkeit oder Atemnot wähl 112.
- Pflanze sichern: einen Zweig mit Blättern und Beeren mitnehmen oder die ganze Pflanze fotografieren. Tox Info Suisse bittet am Telefon unter anderem um Alter und Gewicht, um Angaben zur Pflanze und zur Menge, um die verstrichene Zeit und um beobachtete Anzeichen.
Giftnotrufe für Menschen (Nummern am 21.10.2026 im Verzeichnis des BfR geprüft, für Göttingen, Mainz und München auch auf den eigenen Seiten der Zentren, die eine Beratung rund um die Uhr nennen):
| Land oder Region | Giftnotruf | Nummer |
|---|---|---|
| Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein | GIZ-Nord, Göttingen | 0551 19240 |
| Rheinland-Pfalz, Hessen, Saarland | Giftinformationszentrum Mainz | 06131 19240 |
| Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen | Giftnotruf Erfurt | 0361 730730 |
| Berlin | Giftnotruf der Charité | 030 19240 |
| Bonn | Informationszentrale gegen Vergiftungen, Universitätsklinikum Bonn | 0228 19240 |
| Freiburg | Vergiftungs-Informations-Zentrale, Universitätsklinikum Freiburg | 0761 19240 |
| München | Giftnotruf München, TUM Klinikum rechts der Isar | 089 19240 |
| Österreich | Vergiftungsinformationszentrale (GÖG) | 01 406 43 43 |
| Schweiz | Tox Info Suisse | 145, aus dem Ausland +41 44 251 51 51 |
Das BfR-Verzeichnis nennt für Berlin, Bonn, Freiburg und München nur den Standort. Wähl in Deutschland das Zentrum deiner Region; bei Bewusstlosigkeit oder Atemstillstand gilt 112, in Österreich und der Schweiz auch 144 für den Rettungsdienst.
Die amtliche Liste von 2021: wofür sie gedacht ist
Wer „giftige Pflanzen Liste“ sucht, landet meist bei der Bekanntmachung im Bundesanzeiger vom 2. Juli 2021 (BAnz AT 02.07.2021 B4). Drei Dinge solltest du über sie wissen:
- Sie gilt für Kleinkinder. Das BfR schreibt, dass Pflanzenvergiftungen vor allem Kleinkinder betreffen. Die Liste nennt Garten- und Wildpflanzen, die bei ihnen mittelschwere oder schwere Vergiftungen auslösen können, und ruft die Verantwortlichen für Spielplätze, Kindergärten, Kitas, Kinderheime, Schwimmbäder und Naturbäder auf, sie dort nicht zu pflanzen.
- Sie hat zwei Stufen. Kategorie 3 heißt hohes Vergiftungsrisiko: Schon geringe Mengen können bei Kleinkindern schwere, potenziell lebensbedrohliche Vergiftungen auslösen. Kategorie 2 heißt mittleres Risiko. Zu jeder Art nennt die Liste die wichtigsten Inhaltsstoffe und die vorwiegend giftigen Pflanzenteile.
- Sie ist nicht vollständig. Das GIZ-Nord betont, dass sie keine Auflistung aller giftigen Pflanzen ist, aber einen guten Überblick über die relevanten heimischen und kultivierten Giftpflanzen in Deutschland gibt.
Die erste Fassung erschien laut BfR im Jahr 2000; die überarbeitete Fassung von 2021 bezieht auch bisher wenig beachtete Pflanzen ein. Neben Zierpflanzen wie Oleander und Rhododendron stehen darauf zum Beispiel auch Gartenbohne und Zierkürbis. Für Hunde und Katzen sagt die Liste nichts; was für Tiere gilt, steht im Ratgeber Giftige Pflanzen für Hunde.
Zehn Giftpflanzen in Gärten erkennen
Die Merkmale stammen, wo nicht anders genannt, von den Pflanzenseiten des BfR-Giftgartens; die Kategorie aus der Bundesanzeiger-Liste.
Eisenhut (Aconitum napellus), Kategorie 3
Bis 1,5 m hohe Staude mit handförmig geteilten Blättern und schwarzer Wurzelknolle. Von Juni bis August trägt der Blaue Eisenhut blaue, helmartige Blüten. Die ganze Pflanze ist giftig, besonders die Wurzel; schon Mundkontakt kann laut BfR Brennen, Kribbeln und Taubheit auslösen. Der Münchner Giftpflanzen-Flyer nennt ihn die giftigste Pflanze Mitteleuropas.
Tollkirsche (Atropa belladonna), Kategorie 3
Bis 150 cm hohe Staude an Waldrändern, Kahlschlägen und Wegrändern, mit glattrandigen Blättern und braunvioletten, nickenden Glockenblüten von Juni bis August. Die Schwarze Tollkirsche trägt von Juli bis Oktober glänzend schwarze Beeren, die Kirschen ähneln. Merkmal laut Tox Info Suisse: fünf sternförmige Kelchzipfel um die 10 bis 15 mm große Beere. Tox Info Suisse warnt, dass schon eine Beere bei einem Kleinkind deutliche Anzeichen auslösen kann.
Engelstrompete (Brugmansia), Kategorie 3
Ein bis zwei Meter hohe Kübelpflanze mit bis zu 25 cm langen Trompetenblüten in Weiß, Gelb oder Rosarot. Die Engelstrompete enthält in allen Teilen Tropan-Alkaloide, vor allem in Blättern und Blüten. Schon Saft am Auge kann laut BfR eine Pupille weiten.
Herbstzeitlose (Colchicum autumnale), Kategorie 3
Wächst laut Münchner Flyer auf feuchten Wiesen. Laut NC State Extension blüht sie im Herbst mit röhrigen, lila-rosa bis weißen Blüten. Laut Liste sind alle Teile giftig (Colchicin), laut Münchner Flyer besonders Knolle und Samen. Wann sie blüht und wie sie auf einer Herbstwiese aussieht, zeigt der Ratgeber Welche Pflanze blüht jetzt.
Wunderbaum, Rizinus (Ricinus communis), Kategorie 3 für die Samen
1,5 bis 2,5 m hohe Zierpflanze in Kübeln, auf Balkonen und in Parks. Der Wunderbaum hat violettgrüne, gezähnte Blätter von 30 bis 50 cm, von Juli bis September rote bis gelbe Blütenrispen und stachelige Kapseln mit marmorierten, bräunlichen Samen. Das Rizin steckt vor allem in den Samen.
Eibe (Taxus baccata), Kategorie 2
Bis 10 m hohes Nadelgehölz, oft als Hecke, mit flachen, immergrünen Nadeln. Ab August trägt die Eibe rote, fleischige Samenmäntel mit je einem braunen Samen. Nadeln und zerbissene Samen enthalten laut BfR Taxine; der Münchner Flyer nennt die Nadeln als besonders giftig.
Goldregen (Laburnum anagyroides), Kategorie 2
Bis 7 m hoher Strauch oder Baum, häufig in Grünanlagen. Der Gemeine Goldregen hat dreiteilige, oft samtig behaarte Blätter und laut BfR von Juni bis Juli gelbe Schmetterlingsblüten in bis zu 30 cm langen, hängenden Trauben. Im August reifen 6 bis 8 cm lange Hülsen mit schwarzen Samen; die Früchte sind in jedem Reifestadium giftig.
Roter Fingerhut (Digitalis purpurea), Kategorie 2
Im ersten Jahr eine Rosette aus großen, runzligen Blättern, im zweiten ein bis 1 m langer Stängel mit hell- bis lilaroten Blüten von Juni bis August. Laut BfR sind Blätter, Blüten und Samen des Roten Fingerhuts giftig (herzwirksame Glykoside). Mehr zur Pflanze steht auf der Seite Fingerhut.
Maiglöckchen (Convallaria majalis), Kategorie 2
Bis 20 cm hohe Staude mit parallelnervigen Blättern, weißen, nickenden Glöckchen von Mai bis Juni und roten Beeren ab Juli. Das Maiglöckchen ist laut BfR in allen Teilen giftig, besonders Blüten, Beeren und Blätter. Mehr auf der Seite Maiglöckchen.
Seidelbast (Daphne mezereum), Kategorie 2
Ein Strauch, den die Liste in allen Teilen als giftig führt (Daphnetoxin, Mezerein). Laut Münchner Flyer sind Samen und Rinde besonders giftig, und schon Hautkontakt kann Rötung und Blasen auslösen. Was Pflanzen wie Seidelbast, Wolfsmilch oder Riesen-Bärenklau an der Haut anrichten, erklärt der Ratgeber Giftige Pflanzen bei Berührung.
Doppelgänger im Garten
Viele Giftpflanzen haben Verwandte oder Doppelgänger, die ebenfalls auf der Liste stehen. Für die Frage „Muss ich den Giftnotruf anrufen?“ ist die genaue Art deshalb oft zweitrangig.
| Pflanze | Wird verwechselt mit | So trennst du sie |
|---|---|---|
| Goldregen | Blauregen (Glyzinie), Robinie | Blauregen blüht blauviolett, Robinie weiß; alle drei stehen auf der Liste (Blauregen und Robinie mit den Samen) |
| Eibe | Lebensbaum (Thuja) | Eibe hat flache Nadeln und rote Samenmäntel, Thuja schuppenförmige Blätter; beide stehen auf der Liste |
| Rizinus | Stechapfel | Rizinus hat riesige, handförmige Blätter; der Stechapfel ist ein bis 120 cm hohes Kraut mit buchtig gezähnten Blättern, weißen bis rosa Trichterblüten und stacheligen, vierfächerigen Kapseln; beide Kategorie 3 |
| Engelstrompete | Stechapfel | Engelstrompete ist eine bis 2 m hohe Kübelpflanze mit bis 25 cm langen Blüten, der Stechapfel ein einjähriges Kraut an Wegrändern und auf Schutt |
| Eisenhut | Rittersporn | beide Hahnenfußgewächse mit blauen Blütenähren; Rittersporn steht ebenfalls auf der Liste |
Das BfR warnt beim Maiglöckchen vor Verwechslungen mit Herbstzeitlose und Bärlauch, und der Münchner Flyer nennt die Herbstzeitlose als häufige Bärlauch-Verwechslung. Diese Seite hilft deshalb ausdrücklich nicht beim Sammeln: Iss keine Pflanze, nur weil sie auf einem Foto oder in einer App passend aussieht.
Was ein Foto leisten kann und was nicht
Für den Giftnotruf zählt der Name der Pflanze. Tox Info Suisse schreibt, dass selbst erfahrene Gärtnerinnen und Gärtner eine Pflanze kaum an einer einzelnen Beere erkennen; nötig sind Bilder der Blätter und, wenn möglich, des ganzen Strauchs. Fotografiere deshalb drei Dinge: ein Blatt von oben, die Blüte oder die Frucht und die ganze Pflanze.
Plant Identifier schlägt dir aus einem solchen Foto den deutschen und den wissenschaftlichen Namen vor; das Werkzeug Toxikologie schreibt dazu KI-Notizen zu giftigen Pflanzenteilen. Nimm das Ergebnis als Suchbegriff für die Liste im Bundesanzeiger oder die Seiten des BfR, nie als Entwarnung, und ruf bei einem Verdacht trotzdem an. Die App zeigt keinen Sicherheitswert und keine Liste ähnlicher Arten, und sie braucht eine Internetverbindung. Wie ein brauchbares Foto gelingt, erklärt der Ratgeber Pflanzen bestimmen mit Foto.
Wenn du einen Garten mit kleinen Kindern planst, ist die Liste ein guter Ausgangspunkt: Prüf, welche der Pflanzen dort wachsen, wo Kinder spielen, und frag in der Gärtnerei nach dem botanischen Namen, bevor du etwas Neues pflanzt. Der Münchner Giftpflanzengarten in der Baumschule Bischweiler und der Giftgarten des BfR in Berlin-Marienfelde zeigen viele dieser Arten im Original.
Was ein Foto nicht klären kann
- Ein Foto sagt nichts darüber, wie viel ein Kind gegessen hat und wie es ihm geht: Das klärt nur der Giftnotruf oder eine Ärztin oder ein Arzt.
- Einzelne Beeren, Samen oder abgerissene Blätter lassen sich auf einem Foto oft nicht einer Art zuordnen; Tox Info Suisse rät, Blätter und den ganzen Strauch zu fotografieren.
- Die Toxikologie-Notizen in Plant Identifier sind KI-geschrieben: ein Hinweis, unter welchem Namen du nachschlägst, nie eine Entwarnung.
Häufige Fragen
Welche Gartenpflanzen sind für Kinder am gefährlichsten?
Die Bundesanzeiger-Liste von 2021 stellt in Kategorie 3 (hohes Vergiftungsrisiko für Kleinkinder) unter anderem Eisenhut, Tollkirsche, Engelstrompete, Stechapfel, Herbstzeitlose, Gefleckten Schierling, Wasserschierling, Weißen Germer, Schwarzes Bilsenkraut und die Samen des Rizinus. Schon geringe Mengen können laut Liste schwere, potenziell lebensbedrohliche Vergiftungen auslösen.
Ist die Liste giftiger Pflanzen vollständig?
Nein. Das Giftinformationszentrum-Nord schreibt ausdrücklich, die Liste sei keine Auflistung aller giftigen Pflanzen, gebe aber einen guten Überblick über die relevanten heimischen und kultivierten Giftpflanzen in Deutschland. Fehlt eine Pflanze darauf, heißt das nicht, dass sie harmlos ist.
Welche Nummer hat der Giftnotruf?
In Deutschland das Giftinformationszentrum deiner Region, etwa GIZ-Nord 0551 19240, Berlin 030 19240 oder München 089 19240 (laut BfR-Verzeichnis). In Österreich die Vergiftungsinformationszentrale 01 406 43 43, in der Schweiz Tox Info Suisse 145. Bei Bewusstlosigkeit oder Atemstillstand 112 wählen.
Muss ich giftige Pflanzen aus meinem Garten entfernen?
Die Bekanntmachung im Bundesanzeiger richtet sich an Träger und Planer von Spielplätzen, Kitas, Schulen und Bädern: Diese Pflanzen sollten nicht dort wachsen, wo Kinder spielen. Für Privatgärten nennt sie keine Pflicht. Ob du eine Pflanze versetzt, hängt davon ab, ob kleine Kinder unbeaufsichtigt an sie herankommen.
Kann eine App sagen, ob eine Pflanze im Garten giftig ist?
Eine App kann dir einen Namen vorschlagen, unter dem du in der amtlichen Liste oder beim BfR nachschlägst. Sie sagt nichts darüber, wie viel ein Kind gegessen hat. Bei einem Verdacht entscheidet der Giftnotruf, nicht ein Foto.
Quellen
- Bekanntmachung einer Liste besonders giftiger Gartenpflanzen und einheimischer Pflanzen in der freien Natur (BAnz AT 02.07.2021 B4) — Bundesinstitut für Risikobewertung, Bundesanzeiger
- Liste giftiger Pflanzenarten — Giftinformationszentrum-Nord (GIZ-Nord), Universitätsmedizin Göttingen
- BfR-Giftgarten — Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
- Giftinformationszentren — Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
- Vergiftungsinformationszentrale — Gesundheit Österreich GmbH (GÖG)
- Vergiftungsnotruf 145 — Tox Info Suisse
- Rote Beeren, schwarze Beeren: Wann ist naschen erlaubt, wann ist es gefährlich? — Tox Info Suisse
- Ganz schön giftig (Flyer Giftpflanzengarten, Stand Februar 2025) — Landeshauptstadt München, Baureferat Gartenbau
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