Giftpflanze im Porträt

Fingerhut erkennen: Rosette, Blüten und Verwechslungen

Im ersten Jahr eine Rosette runzliger, behaarter Blätter, im zweiten ein hoher Stängel mit hängenden Glocken auf einer Seite: So erkennst du den Roten Fingerhut und die heimischen gelben Arten, alle laut BfR giftig.

Gouache-Tafel mit einem Fingerhut: hohe Traube nickender purpurrosa Röhrenblüten an einer Stängelseite, Schlund hell mit dunklen Flecken, daneben eine Rosette großer weicher runzliger behaarter Blätter
Illustration (KI-generiert, nur zur Orientierung)

Kurz gesagt

Die Fingerhut-Pflanze (Roter Fingerhut, Digitalis purpurea) erkennst du an zwei Stadien: im ersten Jahr eine bodennahe Rosette großer, runzliger Blätter mit deutlichen Nerven, oben graufilzig behaart; im zweiten Jahr ein Stängel bis etwa 1 m mit einer einseitigen Traube hängender, röhrig-glockiger Blüten in Purpur, Rosa oder Weiß, innen dunkel gefleckt, von Juni bis August. Laut BfR sind Blätter, Blüten und Samen giftig.

  • Der Fingerhut ist laut BfR giftig (herzwirksame Glykoside wie Digitoxin); die BfR-Liste im Bundesanzeiger führt die ganze Gattung Digitalis in Kategorie 2.
  • Laut BfR wird Beinwell mit dem giftigen Roten Fingerhut verwechselt. Diese Seite nennt dafür keine Unterscheidungsmerkmale und ist keine Grundlage, eine Pflanze zu sammeln oder zu verwenden.
  • Gelbe Fingerhüte sind heimische Arten: Großblütiger Fingerhut (Blüten 3 bis 4,5 cm, innen braun gefleckt) und Gelber Fingerhut (Blüten 1,5 bis 2,5 cm, kahle Blätter).

Bestimmungsmerkmale auf einen Blick

Wissenschaftlicher Name
Digitalis purpurea
Familie
Plantaginaceae (Wegerichgewächse)
Typ
Blütenpflanze, zweijährig
Erstes Jahr
Nur eine bodennahe Rosette großer, runzliger Blätter; laut NC State bis etwa 30 cm lang, mit deutlich hervortretenden Nerven.
Blattbehaarung
Oberseite mit graulich-weißen Haaren, Unterseite filzig bis wollig behaart. Grundblätter lang gestielt, nach oben werden Stiel und Blatt kleiner.
Zweites Jahr
Ein aufrechter Stängel aus der Rosette, laut BfR bis etwa 1 m, laut NC State 60 cm bis 1,5 m hoch.
Blütenstand
Einseitige Traube, die Blüten dicht an einer Seite des Stängels, laut NC State 30 bis 60 cm lang.
Blüten
Hängend, röhrig-glockig, laut NC State 4 bis 5 cm lang; purpur, rosa oder weiß, innen dunkel gefleckt und weiß umrandet; die Unterlippe länger als die Oberlippe.
Blütezeit
Laut BfR Juni bis August; der Kanton Zürich nennt Juni bis September.
Frucht
Kapsel aus verwachsenen Fruchtblättern, die nach der Reife aufspringt und viele kleine braune Samen freigibt.
Standort
Laut BfR in Wäldern und als Zierpflanze in Gärten.
Herkunft
Laut NC State Westeuropa und Marokko; in der Schweiz führt der Kanton Zürich ihn als aus Gärten verwilderten Neophyten.

Der Rote Fingerhut steht im Sommer in Bauerngärten und auf Waldlichtungen, mit hohen Blütentrauben voller hängender, gefleckter Glocken. Er ist eine der Pflanzen im BfR-Giftgarten, und neben ihm wachsen in Mitteleuropa zwei heimische gelbe Arten. Weil er zweijährig ist, sieht er im ersten Jahr ganz anders aus als im zweiten. Prüf deshalb zuerst, welches Stadium du vor dir hast.

Fingerhut erkennen: Rosette und Blütenstand

Im ersten Jahr: die Rosette. Laut BfR bildet der Fingerhut im ersten Jahr große, runzlige, dicht zusammengedrängte Blätter am Boden. NC State Extension beschreibt sie als grob, bis etwa 30 cm lang, mit deutlich hervortretenden Nerven, oben mit graulich-weißen Haaren und unten filzig bis wollig. Die Grundblätter sind lang gestielt. Die Rosette bleibt flach und nah am Boden, einen Stängel gibt es noch nicht.

Im zweiten Jahr: der Blütenstand. Aus der Mitte der Rosette wächst ein aufrechter Stängel, laut BfR bis etwa 1 m, laut NC State 60 cm bis 1,5 m hoch, mit kleiner werdenden Blättern. Oben sitzt eine lange Traube, an der die Blüten dicht auf einer Seite hängen. Jede Blüte ist röhrig-glockig und laut NC State 4 bis 5 cm lang, die Unterlippe länger als die Oberlippe. Innen ist sie mit dunkelroten oder purpurnen, weiß umrandeten Flecken gezeichnet. Der Name passt: Eine Blüte sitzt wie ein Fingerhut auf der Fingerkuppe.

Danach: die Kapseln. Nach der Blüte bilden sich laut BfR Kapselfrüchte aus verwachsenen Fruchtblättern, die aufspringen und viele kleine braune Samen freisetzen. Die Pflanze stirbt danach meist ab, sät sich aber selbst aus.

Willst du eine Blume im Garten oder am Waldrand einordnen, hilft Plant Identifier mit einem Foto, das Blütenstand und Blätter zeigt. Die App nennt eine Art, zeigt aber keine Trefferwahrscheinlichkeit und keine Liste ähnlicher Arten; prüf das Ergebnis an den Flecken in der Blüte. Sommerblumen nach Farbe grenzt das Werkzeug Blumen bestimmen ein.

Roter, Großblütiger und Gelber Fingerhut

Der Rote Fingerhut stammt laut NC State aus Westeuropa und Marokko; laut BfR wächst er in Wäldern und als Zierpflanze in Gärten. In der Schweiz führt die Praxishilfe des Kantons Zürich ihn als Neophyten, der aus Gärten verwildert ist, und beschreibt daneben zwei heimische gelbe Arten.

Merkmal Roter Fingerhut Großblütiger Fingerhut Gelber Fingerhut
Wissenschaftlicher Name Digitalis purpurea Digitalis grandiflora Digitalis lutea
Blütenfarbe purpur, rosa, selten weiß gelb hellgelb
Blütenlänge 4 bis 5 cm 3 bis 4,5 cm 1,5 bis 2,5 cm
Innen dunkel gefleckt, weiß umrandet hellbraun gefleckt, nicht bärtig bärtig
Blätter runzlig, behaart, lang gestielt bis 25 cm, unregelmäßig gezähnt, auf den Nerven kraus behaart lanzettlich, fein gezähnt, kahl, bis 14 cm
Blütezeit Juni bis August oder September – Juni bis August

Die Angaben zu den gelben Arten stammen aus der Praxishilfe des Kantons Zürich, die zum Roten Fingerhut aus BfR und NC State. Laut Kanton Zürich wächst der Gelbe Fingerhut in lichten, krautreichen Wäldern und an Waldhängen, der Großblütige auf Waldlichtungen, an Waldrändern und Böschungen. Beide können sich kreuzen; Zwischenformen sind laut Kanton Zürich auch in der Natur bekannt.

Die Rosette: Verwechslungen im ersten Jahr

Im ersten Jahr ohne Blüten wird die Fingerhut-Rosette mit anderen großblättrigen, behaarten Pflanzen verwechselt. Der BfR nennt in seinen Fragen und Antworten zu Giftpflanzen ausdrücklich Beinwell, der mit dem giftigen Roten Fingerhut verwechselt werden kann. Todesfälle durch Pflanzen sind laut BfR selten, kommen aber vereinzelt nach solchen Verwechslungen vor. Diese Seite nennt deshalb keine Merkmale, mit denen du Beinwell vom Fingerhut trennst. Weder diese Seite noch eine App ist eine Grundlage, Blätter zum Essen, für Tee oder als Hausmittel zu sammeln.

Anders bei der Königskerze, die hier nur als Wegrandpflanze vorkommt, die man erkennen möchte. Laut NC State ist ihre Rosette silbrig-graugrün und so weich, dass sie an Woll-Ziest erinnert; die 10 bis 30 cm langen Blätter sind auf beiden Seiten dicht wollig behaart und gehen in einen geflügelten Stiel über.

Merkmal im Feld Fingerhut Königskerze
Lebensdauer zweijährig zweijährig
Blattoberfläche runzlig, Nerven deutlich, oben graulich behaart dicht wollig-samtig, silbrig-graugrün
Blattgrund lang gestielt verschmälert in einen geflügelten Stiel
Blüte im zweiten Jahr einseitige Traube, hängende gefleckte Glocken dichte Ähre, flache gelbe Blüten, Juni bis September

Giftigkeit: was die Quellen sagen

Laut BfR sind Blätter, Blüten und Samen des Roten Fingerhuts giftig; als Giftstoffe nennt es herzwirksame Glykoside wie Digitoxin. Nach dem Verschlucken beschreibt der BfR Übelkeit, Erbrechen und Sehstörungen mit veränderter Farbwahrnehmung, nach größeren Mengen Blätter lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen. Der bittere Geschmack verhindert laut BfR meist, dass größere Mengen aufgenommen werden. Die Liste des BfR im Bundesanzeiger von 2021 führt die ganze Gattung Digitalis in Kategorie 2, mittleres Vergiftungsrisiko für Kleinkinder, alle Pflanzenteile, und ruft dazu auf, solche Pflanzen nicht dort zu pflanzen, wo Kinder spielen. Mehr dazu im Ratgeber Giftige Pflanzen im Garten; ein weiteres Porträt einer Giftpflanze mit Glocken ist das Maiglöckchen.

Die ASPCA führt Digitalis purpurea als giftig für Hunde, Katzen und Pferde. Als Giftstoffe nennt sie herzwirksame Glykoside, als Anzeichen Herzrhythmusstörungen, Erbrechen, Durchfall, Schwäche, Herzversagen und Tod.

Hat ein Kind oder ein Tier Teile eines Fingerhuts in den Mund genommen, ruf sofort den Giftnotruf an: in Deutschland das Giftinformationszentrum deines Bundeslandes, im Norden etwa GIZ-Nord unter 0551 19240, in Österreich die Vergiftungsinformationszentrale unter 01 406 43 43, in der Schweiz Tox Info Suisse unter 145. Bei Tieren ist die Tierarztpraxis die erste Adresse. Der BfR rät, nach dem Verschlucken immer ein Giftinformationszentrum zu kontaktieren und das Kind ärztlich untersuchen zu lassen. Die Hinweise im Werkzeug „Toxikologie“ von Plant Identifier schreibt eine KI; sie ersetzen keine Beratung.

Im Garten und im Wald

NC State beschreibt den Fingerhut als Pflanze für feuchten, humusreichen, gut durchlässigen Boden mit Schatten am Nachmittag; Trockenheit verringert die Blüte. Wer Fingerhut im Garten hat, sollte den Standort mit Blick auf Kinder und Haustiere wählen. Die gelben Fingerhüte gehören laut Kanton Zürich zu den Arten lichter Wälder, die von offenen Stellen, Waldlichtungen und schonender Holzernte profitieren. Wenn du im Sommer an einem Waldrand gelbe Fingerhüte findest, kannst du den Fundort in Plant Identifier in der Pflanzenkarte festhalten.

Ähnliche Arten und wie du sie unterscheidest

Großblütiger Fingerhut (Digitalis grandiflora)

Schau auf Blütenfarbe und Haare: Laut Kanton Zürich hat er gelbe, 3 bis 4,5 cm lange Blüten, innen hellbraun gefleckt und nicht bärtig, Blätter bis 25 cm, unregelmäßig gezähnt, Stängel und Blattnerven locker kraus behaart. Der Rote Fingerhut blüht purpur bis rosa oder weiß mit dunklen Flecken.

Gelber Fingerhut (Digitalis lutea)

Miss die Blüte und fühl das Blatt: Laut Kanton Zürich sind die Blüten nur 1,5 bis 2,5 cm lang, hellgelb und innen bärtig, die Blätter lanzettlich, fein gezähnt, 2 bis 3 cm breit und kahl. Der Großblütige Fingerhut hat größere, braun gefleckte Blüten und behaarte Blätter.

Königskerze (Verbascum thapsus), Rosette

Nur zur Bestimmung im Feld: Laut NC State ist die Rosette der Königskerze silbrig-graugrün und auf beiden Seiten dicht wollig-samtig behaart, die Blätter laufen an beiden Enden spitz zu und gehen in einen geflügelten Stiel über. Fingerhutblätter sind runzlig mit tief liegenden Nerven und deutlich lang gestielt. Im zweiten Jahr blüht die Königskerze gelb mit flachen, fünfzipfligen Blüten.

Beinwell (Symphytum officinale)

Hier gibt es bewusst keinen Feldtest. Der BfR nennt Beinwell unter den Pflanzen, die mit dem giftigen Roten Fingerhut verwechselt werden. Weder diese Seite noch Plant Identifier noch eine andere App ist eine Grundlage, Blätter zum Essen, für Tee oder als Hausmittel zu sammeln.

Was ein Foto nicht klären kann

  • Eine Blattrosette im ersten Jahr ist auf einem Foto schwer sicher zu bestimmen; Fingerhut, Königskerze und andere Rosetten ähneln sich. Kein Foto und keine App-Antwort entscheidet, ob eine Pflanze essbar oder verwendbar ist; diese Seite beantwortet das nicht.
  • Großblütiger und Gelber Fingerhut bilden laut Kanton Zürich auch in der Natur Hybriden. Zwischenformen lassen sich auf einem Foto nicht sicher zuordnen.
  • Ob ein Kind oder ein Tier nach dem Kontakt mit einem Fingerhut behandelt werden muss, entscheidet weder diese Seite noch eine App. Ruf den Giftnotruf an oder frag deine Tierarztpraxis.

Häufige Fragen

Ist der Fingerhut giftig?

Ja, laut BfR sind Blätter, Blüten und Samen des Roten Fingerhuts giftig; als Giftstoffe nennt es herzwirksame Glykoside wie Digitoxin. Die BfR-Liste im Bundesanzeiger führt die Gattung Digitalis in Kategorie 2, alle Pflanzenteile. Hat jemand Teile gegessen, ruf sofort den Giftnotruf an.

Ist Fingerhut giftig für Hunde und Katzen?

Die ASPCA führt Digitalis purpurea als giftig für Hunde, Katzen und Pferde; als Giftstoffe nennt sie herzwirksame Glykoside, als Anzeichen unter anderem Herzrhythmusstörungen, Erbrechen, Durchfall und Schwäche. Hat dein Tier an einem Fingerhut gekaut, ruf sofort die Tierarztpraxis an.

Ist der Fingerhut mehrjährig?

Der Rote Fingerhut ist laut BfR und NC State zweijährig: Im ersten Jahr bildet er nur eine Blattrosette, im zweiten blüht er, setzt Samen und stirbt meist ab. NC State schreibt, dass er sich manchmal auch wie eine Einjährige oder eine kurzlebige Staude verhält. Durch Selbstaussaat bleibt er oft über Jahre am selben Ort.

Gibt es gelben Fingerhut in Deutschland?

Ja, zwei gelbe Arten wachsen wild in Mitteleuropa: der Großblütige Fingerhut (Digitalis grandiflora) und der Gelbe Fingerhut (Digitalis lutea). Laut Kanton Zürich wachsen beide in lichten Wäldern, an Waldrändern und Böschungen; der Gelbe Fingerhut blüht von Juni bis August. Die BfR-Liste führt die ganze Gattung Digitalis als giftig.

Quellen

  1. Roter Fingerhut (BfR-Giftgarten) — Bundesinstitut für Risikobewertung
  2. Bekanntmachung einer Liste besonders giftiger Gartenpflanzen und einheimischer Pflanzen in der freien Natur (BAnz AT 02.07.2021 B4) — Bundesinstitut für Risikobewertung, Bundesanzeiger
  3. Fingerhut / Eisenhut (Praxishilfe Waldbiodiversität) — Kanton Zürich, Amt für Landschaft und Natur
  4. Digitalis purpurea — North Carolina Extension Gardener Plant Toolbox, NC State University
  5. Verbascum thapsus — North Carolina Extension Gardener Plant Toolbox, NC State University
  6. Giftpflanzen: Wie kann man sich schützen und was ist bei einer Vergiftung zu tun? — Bundesinstitut für Risikobewertung
  7. Foxglove (Digitalis purpurea) — ASPCA Animal Poison Control

Aktualisiert am · Geschrieben vom Plant-Identifier-Team · So schreiben wir unsere Ratgeber

Veröffentlicht am

Diese Seite bietet allgemeine Informationen zur Pflanzenbestimmung. Entscheide nie anhand einer Seite oder App, ob eine Pflanze essbar, hautverträglich oder für Kinder und Tiere unbedenklich ist; frage eine Ärztin, einen Tierarzt oder den Giftnotruf.