Pflanzen und Haut

Giftige Pflanzen bei Berührung: welche die Haut schädigen

Welche Pflanzen in Deutschland, Österreich und der Schweiz schon beim Anfassen Haut oder Augen reizen, woran du sie aus der Distanz erkennst und was die Giftnotrufe nach einem Kontakt raten.

Botanische Gouache-Tafel auf cremefarbenem Grund, von links nach rechts: Zypressen-Wolfsmilch mit nadelfeinen Blättern und gelbgrünen Blütenständen, Weinraute mit blaugrünen, fein geteilten Blättern und gelben Blüten, Große Brennnessel mit gesägten Blättern und hängenden grünen Blütenrispen und Wilder Pastinak mit gelben Dolden und gefiederten Blättern.
Illustration (KI-generiert, nur zur Orientierung)

Kurz gesagt

Giftige Pflanzen bei Berührung sind in Mitteleuropa vor allem Riesen- und Wiesen-Bärenklau, Pastinak und Weinraute, deren Saft mit Sonnenlicht Blasen wie Verbrennungen auslösen kann, dazu Wolfsmilch-Arten mit ätzendem Milchsaft, Hahnenfuß, Seidelbast und die Brennnessel; im Haus die Dieffenbachie. Nach Kontakt die Haut gründlich mit Wasser spülen, bei Bärenklau 48 Stunden Sonne meiden und bei Fragen den Giftnotruf anrufen.

  • Nach Hautkontakt benetzte Kleidung ausziehen und die Haut ausgiebig mit fließendem Wasser spülen; Augen 10 bis 15 Minuten.
  • Bärenklau, Pastinak und Weinraute wirken phototoxisch: Erst Saft plus Sonnenlicht schädigen die Haut, oft mit Verzögerung.
  • Wolfsmilch, Hahnenfuß und Seidelbast reizen die Haut direkt; die Brennnessel wirkt über Brennhaare.
  • Bestimme verdächtige Pflanzen mit den Augen und mit dem Handy, nicht mit den Händen.

Manche Pflanzen schaden nicht erst, wenn man sie isst, sondern schon beim Anfassen: beim Unkrautjäten, beim Mähen am Bachufer, beim Spielen auf der Wiese oder beim Umtopfen einer Zimmerpflanze. Diese Seite sagt dir zuerst, was die Giftnotrufe nach einem Kontakt raten. Danach zeigt sie die Pflanzen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, deren Saft oder Haare die Haut reizen, und woran du sie erkennst, ohne sie zu berühren.

Nach einem Hautkontakt: was die Giftnotrufe raten

Die offiziellen Stellen geben für Haut und Augen fast dieselben Schritte vor:

  1. Benetzte Kleidung ausziehen und die Haut spülen. Tox Info Suisse rät, die Hautpartie ausgiebig mit fließendem, sauberem, lauwarmem Wasser zu spülen. Beim Milchsaft der Wolfsmilch empfiehlt das BfR Wasser oder milde Seifenlauge, etwa fünf Minuten lang.
  2. Augen sofort spülen, laut gesundheit.gv.at mindestens zehn bis 15 Minuten, Kontaktlinsen vorher heraus. Tox Info Suisse beschreibt, das Wasser vom inneren Augenwinkel nach außen laufen zu lassen.
  3. Bei Bärenklau und anderen phototoxischen Pflanzen die Sonne meiden. Der Staatsbetrieb Sachsenforst rät nach einem Kontakt mit Riesen-Bärenklau, Sonnenlicht 48 Stunden zu meiden und die Stellen in den Folgemonaten mit Sonnencreme zu schützen.
  4. Bei Beschwerden anrufen. Bei stärkeren Symptomen zur Ärztin oder zum Arzt (Sachsenforst), bei Fragen zum Giftnotruf: in Deutschland das Giftinformationszentrum deiner Region, etwa GIZ-Nord 0551 19240 oder München 089 19240 (BfR-Verzeichnis), in Österreich die Vergiftungsinformationszentrale 01 406 43 43, in der Schweiz Tox Info Suisse
    1. Bei Atemnot oder Bewusstlosigkeit wähl 112, in Österreich und der Schweiz auch 144.

Hat ein Kind zusätzlich Pflanzenteile im Mund gehabt, gilt der Ratgeber Giftige Pflanzen im Garten: Reste aus dem Mund entfernen, kein Erbrechen auslösen, Giftnotruf anrufen. Weitere Behandlungen nennt diese Seite bewusst nicht; was nötig ist, entscheidet die Beratung am Telefon oder die Praxis.

Drei Arten, wie Pflanzen der Haut schaden

Saft plus Sonne (phototoxisch). Bärenklau, Pastinak und Weinraute enthalten im Saft Furocumarine. Laut Altmeyers Enzyklopädie entsteht die Hautentzündung erst, wenn die benetzte Haut danach Licht abbekommt. Typisch sind juckende Rötungen und Blasen in bizarren, streifigen Mustern genau dort, wo die Pflanze die Haut berührt hat; nach einigen Tagen heilen sie ab und hinterlassen oft braune Flecken. Weil die Reaktion verzögert kommt, bringen viele sie nicht mit dem Spaziergang vom Vortag in Verbindung.

Reizender Saft. Der Milchsaft der Wolfsmilch-Arten, der Saft von Hahnenfuß und Seidelbast reizen die Haut direkt, ohne Sonne. Rötung, Brennen und manchmal Blasen folgen meist rasch.

Brennhaare. Die Brennnessel spritzt bei Berührung ihren Inhalt über feine Haare in die Haut; es entstehen Quaddeln, die nach Stunden wieder verschwinden.

Pflanzen, die bei Berührung schaden, und wie du sie erkennst

Pflanze Wo sie wächst Was schadet Erkennst du an
Riesen-Bärenklau Bachufer, Weg- und Waldränder Saft plus Sonne 2 bis 4 m hoch, Stängel hohl, unten rot gefleckt, weiße Dolden bis 80 cm, Juni bis August
Wiesen-Bärenklau Wiesen, Wegränder Saft plus Sonne deutlich kleiner, weiße Dolden, Stängel ohne purpurne Flecken
Pastinak Garten, Wiesen Saft plus Sonne bis 1 m, gefurchter Stängel, gefiederte Blätter, blassgelbe Blüten Juli bis September
Weinraute Garten, selten verwildert Saft plus Sonne Halbstrauch bis 1 m, blaugrüne Blätter, mattgelbe Blüten Juni bis August
Zypressen-Wolfsmilch Wegränder, Gebüsch, Schutt weißer Milchsaft bis 30 cm, fadenförmige Blätter, gelbe, später rote Hochblätter ab April
Brennnessel Gärten, Waldränder, Wegränder Brennhaare vierkantiger Stängel mit Brennhaaren, Große bis 1,5 m
Knolliger Hahnenfuß Wiesen, Weiden scharfer Saft bis 40 cm, gelbe Blüten Mai bis Juli
Seidelbast Wald, Gärten Saft, Rinde Strauch; laut Liste alle Teile giftig
Dieffenbachie Zimmer Saft mit Calciumoxalat ovale, fleischige Blätter bis 35 cm

Riesen-Bärenklau und Wiesen-Bärenklau

Den Riesen-Bärenklau erkennst du aus der Distanz: mannshoch und höher, ein hohler Stängel mit roten bis purpurnen Flecken und weiße Dolden so groß wie ein Wagenrad. Laut Sachsenforst kann sein Saft mit Sonnenlicht Blasen wie bei Verbrennungen ersten und zweiten Grades auslösen; besonders gefährdet seien Kinder, die mit der „riesigen Schafgarbe“ spielen. Die Bundesanzeiger-Liste führt ihn und den heimischen Wiesen-Bärenklau in einer Zeile. Alle Merkmale, die Doppelgänger und die Meldestellen stehen auf der Seite Riesen-Bärenklau.

Pastinak

Der Pastinak (Pastinaca sativa) ist laut Altmeyers Enzyklopädie eine bis 1 m hohe Pflanze mit gefurchtem Stängel, gefiederten Blättern und blassgelben Blüten von Juli bis September; er enthält Furocumarine wie Bergapten und Xanthotoxin. Die gelbe Dolde trennt ihn von den weiß blühenden Bärenklau-Arten.

Weinraute und Diptam

Die Weinraute (Ruta graveolens), auch Gartenraute, ist ein bis 1 m hoher Halbstrauch mit blaugrünen Blättern und mattgelben Blüten von Juni bis August, eine Gartenpflanze aus dem Mittelmeerraum, die manchmal verwildert (Altmeyers). Sie enthält phototoxische Psoralene. Die Bundesanzeiger-Liste führt sie (Blätter, Wurzeln) ebenso wie den Diptam (Dictamnus albus, Blätter) mit Bergapten als Inhaltsstoff.

Wolfsmilch-Arten

Alle Wolfsmilch-Arten führen weißen Milchsaft, der beim Abbrechen austritt. Die Zypressen-Wolfsmilch ist laut BfR bis 30 cm hoch, ihre Stängel sind dicht mit fadenförmigen Blättern besetzt, und ab April trägt sie schirmartige Blütenstände mit gelben, später roten Hochblättern. Auf der Haut löst der Saft Rötung und Brennen aus, im Auge auch Tränenfluss. Die Bundesanzeiger-Liste nennt außerdem Walzen-, Kreuzblättrige und Leuchtende Wolfsmilch sowie Christusdorn, Dreikantige Wolfsmilch und Spuckpalme; auch der Weihnachtsstern ist ein Wolfsmilchgewächs.

Brennnessel

Die Große Brennnessel wird bis 1,5 m hoch, die Kleine bis 80 cm; beide haben vierkantige, aufrechte Stängel, und Blätter wie Stängel tragen Brennhaare (Altmeyers). Nach Kontakt reicht das Spektrum laut Altmeyers Enzyklopädie von Juckreiz und Brennen über Rötung bis zu juckenden Quaddeln, meist auf die Kontaktstelle begrenzt.

Hahnenfuß

Hahnenfußgewächse enthalten Ranunculin, aus dem das hautreizende Protoanemonin entsteht. Beim Knolligen Hahnenfuß, bis 40 cm hoch mit gelben Blüten von Mai bis Juli, beschreibt Altmeyers Enzyklopädie nach Kontakt Rötung und Juckreiz, manchmal Bläschen. Zur selben Familie gehört der Eisenhut.

Seidelbast

Die Bundesanzeiger-Liste führt den Gewöhnlichen Seidelbast (Daphne mezereum) in allen Teilen als giftig. Laut Flyer des Münchner Giftpflanzengartens löst schon Hautkontakt Rötung und Blasen aus; Samen und Rinde gelten als besonders giftig. Beim Schneiden des Strauchs sind Handschuhe deshalb sinnvoll.

Dieffenbachie im Zimmer

Die Dieffenbachie wird bis 1 m hoch und hat ovale, fleischige Blätter bis 35 cm. Laut Altmeyers Enzyklopädie sind alle Teile giftig; Calciumoxalat und andere Stoffe führen im Mund zu Rötung, Schwellung und brennenden Schmerzen der Schleimhaut, mitunter zu Sprech- und Schluckbeschwerden. Tox Info Suisse rät in einem Beitrag über Beeren, Gesicht und Hände zu waschen, weil der Saft gewisser Pflanzen die Haut sehr stark reizen kann.

Auch zwei Giftpflanzen aus dem Garten reizen die Haut: Bei der Engelstrompete beschreibt das BfR nach Hautkontakt rasche Rötungen, beim Wunderbaum leichte Reizungen.

Erkennen, ohne anzufassen

Wer eine unbekannte Pflanze bestimmen will, greift oft zuerst zum Blatt, um es umzudrehen oder daran zu riechen. Bei den Pflanzen auf dieser Seite ist genau das der Fehler. Prüf mit den Augen: Höhe, Stängelfarbe, Blattform, Farbe der Dolde, austretender Milchsaft an einer bereits abgebrochenen Stelle.

Ein Foto aus zwei, drei Metern Abstand hilft weiter. Plant Identifier schlägt dir aus einem Foto den deutschen und den wissenschaftlichen Namen vor, und das Werkzeug Toxikologie schreibt KI-Notizen dazu, welche Teile giftig sein können. Nimm das als Suchbegriff für die Quellen oben, nicht als Entwarnung: Die App zeigt keinen Sicherheitswert und keine Liste ähnlicher Arten. Fotografiere die ganze Pflanze, den Stängelgrund und die Blüte mit Zoom statt aus der Nähe; wie das gelingt, zeigt der Ratgeber Pflanze richtig fotografieren.

Für Arbeiten am Riesen-Bärenklau nennt Sachsenforst Schutzkleidung (vollständige Kleidung, Handschuhe, Schutzbrille, Kopfbedeckung), Arbeit bei bedecktem Himmel oder in den Abendstunden und keine Motorsense, weil der Saft spritzt. Und Altmeyers Enzyklopädie rät bei der Wiesengräserdermatitis schlicht, sich nicht mit freiem Oberkörper auf frisches Gras zu legen.

Was ein Foto nicht klären kann

  • Ein Foto zeigt nicht, ob eine Pflanze Saft abgegeben hat oder wie stark die Haut reagiert; ob eine Reaktion ärztlich behandelt werden muss, klärt der Giftnotruf oder die Arztpraxis.
  • Junge Doldenblütler ohne Blüte (Bärenklau, Pastinak, Engelwurz) sehen sich auf Fotos sehr ähnlich; eine App-Antwort ist kein Grund, eine Pflanze anzufassen.
  • Phototoxische Rötungen zeigen sich oft erst nach Stunden oder einem Tag; ein Foto der Haut verrät nicht, welche Pflanze sie ausgelöst hat.

Häufige Fragen

Welche Pflanzen verursachen Verbrennungen auf der Haut?

Vor allem Doldenblütler mit Furocumarinen im Saft: Riesen-Bärenklau, Wiesen-Bärenklau und Pastinak, dazu Weinraute und Diptam. Laut Altmeyers Enzyklopädie entsteht die Reaktion erst, wenn die benetzte Haut Licht abbekommt; typisch sind streifige, juckende Rötungen und Blasen genau an den Kontaktstellen.

Was tun nach Kontakt mit Riesen-Bärenklau?

Sachsenforst rät, die Stellen sofort mit viel Wasser zu spülen, Sonnenlicht 48 Stunden zu meiden, die Haut in den Folgemonaten mit Sonnencreme zu schützen und bei stärkeren Beschwerden zum Arzt zu gehen. Bei Fragen hilft der Giftnotruf.

Ist der Saft der Wolfsmilch gefährlich?

Laut BfR löst der Milchsaft der Zypressen-Wolfsmilch auf der Haut Rötung und Brennen aus, im Auge zusätzlich Tränenfluss. Die Bundesanzeiger-Liste führt sieben Wolfsmilch-Arten, darunter Christusdorn und Zypressenwolfsmilch, mit dem Milchsaft als besonders giftigem Teil. Spülen, bei Beschwerden Giftnotruf oder Arztpraxis.

Welche Zimmerpflanzen reizen Haut und Schleimhäute?

Häufig genannt wird die Dieffenbachie: Laut Altmeyers Enzyklopädie sind alle Teile giftig, und Kontakt mit dem Mund führt zu Rötung, Schwellung und brennenden Schmerzen der Schleimhaut. Auch Wolfsmilchgewächse wie Christusdorn und Weihnachtsstern haben Milchsaft. Hände nach dem Umtopfen waschen und Saft von den Augen fernhalten.

Quellen

  1. Erste Hilfe bei Vergiftungen — Tox Info Suisse
  2. Vergiftung: Richtiges Vorgehen im Notfall — gesundheit.gv.at, Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs
  3. Bekanntmachung einer Liste besonders giftiger Gartenpflanzen und einheimischer Pflanzen in der freien Natur (BAnz AT 02.07.2021 B4) — Bundesinstitut für Risikobewertung, Bundesanzeiger
  4. Zypressen-Wolfsmilch (BfR-Giftgarten) — Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
  5. Eine auffallende und zugleich gefährliche Schönheit – der Riesen-Bärenklau — Staatsbetrieb Sachsenforst
  6. Dermatitis bullosa pratensis — Altmeyers Enzyklopädie, Fachbereich Dermatologie
  7. Brennnessel-Urtikaria — Altmeyers Enzyklopädie, Fachbereich Allergologie
  8. Ganz schön giftig (Flyer Giftpflanzengarten, Stand Februar 2025) — Landeshauptstadt München, Baureferat Gartenbau

Aktualisiert am · Geschrieben vom Plant-Identifier-Team · So schreiben wir unsere Ratgeber

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Diese Seite bietet allgemeine Informationen zur Pflanzenbestimmung. Entscheide nie anhand einer Seite oder App, ob eine Pflanze essbar, hautverträglich oder für Kinder und Tiere unbedenklich ist; frage eine Ärztin, einen Tierarzt oder den Giftnotruf.