Ratgeber Pflanzenbestimmung
Pflanzen bestimmen lassen: Wo Fachleute deine Pflanze erkennen
Welche Stellen Pflanzen für Privatleute bestimmen, was es kostet, welche Probe der Pflanzenschutzdienst braucht und wie du Fotos so vorbereitest, dass jemand antworten kann.

Kurz gesagt
Pflanzen bestimmen lassen kannst du bei botanischen Gärten mit Beratungsangebot, etwa dem Botanischen Garten Hamburg (für Privatleute kostenlos, Telefonsprechstunde donnerstags 13 bis 15 Uhr), bei Naturschutzgruppen wie dem BUND vor Ort und online bei iNaturalist, wo andere Nutzer deine Fotos bestimmen. Kranke Garten- und Nutzpflanzen untersucht der Pflanzenschutzdienst, in Nordrhein-Westfalen gegen Gebühr und mit Begleitbogen.
- Für einen Namen reichen meist gute Fotos: ganze Pflanze, Blüte, Blattober- und Blattunterseite, Stängel, dazu Ort und Datum.
- Für eine kranke Pflanze braucht ein Labor eine echte Probe mit dem Übergang von krank zu gesund, keine einzelnen Blätter.
- Bei iNaturalist bestimmen andere Nutzer mit; Forschungsqualität erreichen nur wild wachsende Pflanzen mit Datum, Ort und Foto.
Wer eine Pflanze bestimmen lassen will, statt sie selbst zu bestimmen, hat in Deutschland, Österreich und der Schweiz mehr Möglichkeiten, als die meisten denken: botanische Gärten mit Sprechstunde, Naturschutzgruppen mit Exkursionen, die Pflanzenschutzdienste für kranke Pflanzen und Online-Gemeinschaften, in denen Freiwillige Fotos bestimmen. Welche Stelle passt, hängt von der Frage ab. Für einen Namen reichen gute Fotos, für eine Krankheit braucht ein Labor eine echte Probe.
Wo kann man Pflanzen bestimmen lassen: die Wege im Überblick
| Frage | Passende Stelle | Was du schickst | Kosten (Stand 21.10.2026) |
|---|---|---|---|
| Wie heißt diese Pflanze? | Botanischer Garten mit Pflanzenberatung | Fotos, Fundort, Datum | Hamburg: für Privatleute kostenlos |
| Welche Wildpflanze wächst hier? | Naturschutzgruppe vor Ort, iNaturalist | Fotos oder die Pflanze bei einer Exkursion | iNaturalist kostenlos; Gruppen je nach Angebot |
| Was hat meine Pflanze? | Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer oder des Landes | Echte Probe mit Begleitbogen | Gebührenpflichtig |
| Was ist das für ein alter Herbarbeleg? | Herbarium einer Universität oder eines Museums | Nach Absprache | Nach Absprache |
Die Reihenfolge, in der du fragst, spart Zeit: Bei einer Wildpflanze erst iNaturalist oder eine Naturschutzgruppe, bei einer Zier- oder Zimmerpflanze ohne Namen ein botanischer Garten, bei Flecken, Belägen oder welkenden Trieben an Obst und Gemüse der Pflanzenschutzdienst.
Botanische Gärten und Herbarien
Botanische Gärten an Universitäten haben Fachleute für Pflanzen, aber nicht jeder Garten bietet eine Bestimmung für Besucher an. Ein Garten, der es ausdrücklich tut, ist der Botanische Garten der Universität Hamburg. Seine Pflanzenberatung richtet sich an alle Interessierten, ist für Privatpersonen kostenlos und läuft per E-Mail und über eine Telefonsprechstunde donnerstags von 13 bis 15 Uhr (Stand 21.10.2026). Für Fragen zu Krankheiten und Schädlingen im Haus- und Kleingarten verweist der Garten auf das Hamburger Pflanzenschutzamt. Pilze bestimmt er nicht; laut seiner Seite gibt es in Hamburg keine Pilzberatung.
Findest du bei deinem nächstgelegenen Garten kein solches Angebot, frag über die allgemeine Kontaktadresse. Schick dabei gleich den vollständigen Fotosatz aus dem Abschnitt unten mit; eine Anfrage mit nur einem unscharfen Bild bleibt oft liegen.
Herbarien sind Sammlungen gepresster, beschrifteter Pflanzen. Das Herbarium des Botanischen Gartens Bern umfasst rund 500.000 Belege und schreibt, dass Herbarien oft genutzt werden, um eigene Belege nachzubestimmen oder Arten besser kennenzulernen. Einen allgemeinen Bestimmungsdienst nennt die Seite nicht, wohl aber eine Ansprechperson für Auskünfte. Herbarien sind eher etwas für Menschen, die selbst sammeln und vergleichen wollen, etwa für eine Abschlussarbeit oder eine Kartierung.
Naturschutzgruppen und Botanik-Vereine
Am meisten lernst du, wenn dir jemand die Pflanze draußen zeigt. Naturschutzverbände haben Orts- und Kreisgruppen, die Exkursionen, Kartierungen und Pflanzenführungen anbieten, oft mit Mitgliedern, die die regionale Flora seit Jahrzehnten kennen.
- Deutschland: Über die Gruppensuche des BUND findest du eine Gruppe nach Ort oder Postleitzahl, mit Suchradius bis 100 Kilometer, in Karten- oder Listenansicht. In jedem Bundesland gibt es einen BUND-Landesverband. Auch der NABU hat Gruppen vor Ort.
- Österreich: Der Naturschutzbund Österreich hat Landesgruppen in allen neun Bundesländern und betreibt mit naturbeobachtung.at ein Online-Portal für Naturbeobachtungen.
- Schweiz: Info Flora ist die bekannte Anlaufstelle für die Wildflora. Frag auch bei den Kontaktstellen der botanischen Gärten in Zürich oder Bern nach.
Daneben gibt es regionale botanische Vereine und Arbeitsgemeinschaften, die Pflanzen kartieren. Frag in der Gruppe nach, wer die Pflanzenexkursionen leitet, und schick der Person deine Fotos vorher, statt eine ganze Pflanze mitzubringen.
Kranke Pflanzen: Pflanzenschutzdienst und Landwirtschaftskammer
Geht es nicht um den Namen, sondern um Flecken, Beläge, Fraßspuren oder welkende Triebe, ist der Pflanzenschutzdienst deines Bundeslandes die Fachstelle. In Nordrhein-Westfalen übernimmt das die Landwirtschaftskammer: Laut ihrer Seite zur Diagnose von Krankheiten sind die Untersuchungen gebührenpflichtig, für Pflanzenproben gibt es einen Begleitbogen, und Boden- und Wasserproben dauern methodenbedingt länger. Das Labor sitzt in Köln.
Die Kammer beschreibt in ihrem Merkblatt zur Probeneinsendung, wie eine brauchbare Probe aussieht:
- Die Probe soll das Symptom zeigen: fast noch gesunde Pflanzen und solche im fortgeschrittenen Stadium, aber keine abgestorbenen oder faulen.
- Möglichst ganze Pflanzen; bei Pflanzenteilen muss der Übergang von krank zu gesund deutlich zu sehen sein.
- Keine einzelnen Blätter, weil Blattschäden oft von Wurzel- oder Stängelgrunderkrankungen kommen.
- Von Bäumen und Sträuchern größere Astproben von mindestens 0,5 bis 1 Meter.
- In Plastiktüten verpacken und vor Druck schützen; befallene Teile mit Schädlingen in feuchtem Zeitungs- oder Küchenpapier frisch halten.
- Jede Probe mit eindeutiger Bezeichnung und Datum beschriften, den ausgefüllten Begleitbogen separat beilegen und Behandlungen kurz vor der Probenahme außen auf dem Paket vermerken.
- So verschicken, dass die Probe nicht am Wochenende ankommt.
In anderen Bundesländern, in Österreich und der Schweiz gelten eigene Regeln und Gebühren; frag vor dem Einsenden bei der zuständigen Stelle nach. Welche Symptome was bedeuten können, steht im Ratgeber Pflanzenkrankheiten erkennen. Für eine erste Einschätzung aus einem Foto hat Plant Identifier das Werkzeug Diagnose; das ist eine KI-Einschätzung, kein Laborbefund.
Online: iNaturalist, Flora Capture und Foren
iNaturalist ist eine Plattform, auf der du Beobachtungen mit Foto hochlädst und andere Nutzerinnen und Nutzer die Art bestimmen. Laut iNaturalist-Hilfe erreicht eine Beobachtung Forschungsqualität, wenn mehr als zwei Drittel der Bestimmenden auf Artniveau übereinstimmen. Voraussetzung sind ein genaues Datum, genaue Koordinaten und mindestens ein Foto. Kultivierte Pflanzen wie Zimmer- und Gartenpflanzen erreichen diese Stufe nicht. Für Wildpflanzen ist iNaturalist deshalb stark, für die Monstera im Wohnzimmer weniger.
Flora Capture gehört zum Projekt Flora Incognita. Laut der Projektseite fotografierst du Wildpflanzen aus vorgegebenen Perspektiven, ohne sie zu beschädigen, und Botanikerinnen und Botaniker bestimmen die Pflanzen danach von Hand. Die Fotos trainieren die Erkennung von Flora Incognita. Lässt sich eine Art nicht sicher bestimmen oder sind die Bilder ungeeignet, wird die Beobachtung abgelehnt. Das ist kein Schnelldienst, aber eine echte Bestimmung durch Fachleute.
Foren und Gruppen zu Botanik, Garten und Zimmerpflanzen helfen oft schnell, die Qualität schwankt aber. Achte darauf, ob Antwortende ihren Vorschlag mit Merkmalen begründen, und vergleiche mehrere Antworten.
Fotos und Probe richtig vorbereiten
Ob ein Mensch oder eine App bestimmt: Die Antwort ist so gut wie das Material. Diese Ansichten brauchst du:
- Die ganze Pflanze mit Umgebung, damit Wuchsform und Größe sichtbar sind.
- Die Blüte von vorn und von der Seite, bei Doldenblütlern auch die ganze Dolde.
- Ein Blatt von oben und von unten, voll entwickelt, aus der Mitte der Pflanze.
- Der Stängel mit Blattansatz, damit Blattstellung, Behaarung und Querschnitt erkennbar sind.
- Früchte oder Samen, wenn vorhanden.
Dazu gehören Fundort, Datum und Höhe der Pflanze sowie alles, was ein Foto nicht zeigt: Geruch beim Zerreiben, Milchsaft, klebrige Haare. Wie du jede Ansicht scharf hinbekommst, steht im Ratgeber Pflanze richtig fotografieren.
Willst du eine Pflanze aus dem eigenen Garten mitbringen, nimm einen ganzen Trieb mit Blättern und Blüte, leg ihn flach zwischen Zeitungspapier und beschwere ihn mit Büchern. So entsteht ein einfacher Beleg wie auf einem Herbarbogen. Wild wachsende Pflanzen in Schutzgebieten fotografierst du nur. Steht der Verdacht im Raum, dass ein Kind oder ein Tier von der Pflanze gegessen hat, wartest du nicht auf eine Bestimmung, sondern rufst sofort den Giftnotruf an; die Nummern stehen im Ratgeber Giftige Pflanzen im Garten.
Wann eine App vorher reicht
Für viele Fragen brauchst du keine Fachleute. Bei häufigen Wildpflanzen liefern Flora Incognita und Pl@ntNet oft einen Namen, den du dann an einem Merkmal prüfst. Plant Identifier, eine iPhone-App, bestimmt Pflanzen aus einem Foto, auch Zimmer- und Gartenpflanzen, und beantwortet im Chat unter dem Ergebnis Rückfragen, etwa nach einer Verwechslungsart. Die App nutzt ein KI-Modell in der Cloud, zeigt keine Trefferwahrscheinlichkeit und keine Liste ähnlicher Arten. Ein App-Name ist deshalb ein guter Startpunkt für die Anfrage an Fachleute: „Ist das der Scharfe oder der Kriechende Hahnenfuß?“ beantwortet eine Expertin schneller als „Was ist das?“. Was allgemeine Chatbots mit einem Pflanzenfoto anstellen, erklärt der Ratgeber Pflanzen bestimmen mit ChatGPT.
Was ein Foto nicht klären kann
- Auch Fachleute bestimmen aus Fotos manche Arten nur bis zur Gattung, wenn Früchte, Behaarung unter der Lupe oder Wurzeln fehlen.
- Eine Krankheitsdiagnose mit Erregernachweis gibt es nur im Labor an einer echten Probe; Fotos liefern eine Vermutung.
- Ob eine Pflanze essbar ist oder Kindern und Tieren gefahrlos überlassen werden kann, beantworten weder Fotos noch Beratungsstellen per Ferndiagnose.
Häufige Fragen
Was kostet es, eine Pflanze bestimmen zu lassen?
Die Pflanzenberatung des Botanischen Gartens Hamburg ist für Privatpersonen kostenlos, iNaturalist ebenfalls. Laboruntersuchungen kranker Pflanzen beim Pflanzenschutzdienst sind dagegen gebührenpflichtig, in Nordrhein-Westfalen nach der Gebührenordnung der Landwirtschaftskammer (Stand 21.10.2026). Frag vor dem Einsenden nach dem Preis.
Kann ich eine Zimmerpflanze bei iNaturalist bestimmen lassen?
Hochladen kannst du sie. Zimmer- und Gartenpflanzen gelten bei iNaturalist aber als kultiviert und erreichen keine Forschungsqualität, und viele Bestimmer schauen vor allem auf wild wachsende Arten. Für Zimmerpflanzen helfen ein Bestimmungsschlüssel nach Blattform oder eine Foto-App oft schneller.
Bestimmt ein botanischer Garten auch per E-Mail?
Manche ja. Der Botanische Garten Hamburg nimmt Anfragen per E-Mail und in einer Telefonsprechstunde an. Viele andere Gärten nennen auf ihrer Website keinen Bestimmungsdienst; frag dort über die allgemeine Kontaktadresse, ob jemand Fotos ansehen kann, und schick gleich alle Ansichten mit.
Wie lange dauert eine Bestimmung durch Fachleute?
Das nennt keine der Stellen verbindlich. Bei iNaturalist hängt es davon ab, wie viele Bestimmer sich für die Gruppe interessieren; häufige Wildblumen gehen schneller als Gräser. Laboruntersuchungen des Pflanzenschutzdienstes dauern bei Boden- und Wasserproben laut LWK NRW länger.
Quellen
- Pflanzenberatung — Botanischer Garten der Universität Hamburg
- Diagnose von Krankheiten — Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Pflanzenschutzdienst
- Sachgerechte Einsendung von Proben zur Diagnose von Krankheiten (PDF) — Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
- What is the Data Quality Assessment and how do observations qualify to become Research Grade? — iNaturalist Help
- Die Flora Capture App — Flora Incognita (TU Ilmenau, Max-Planck-Institut für Biogeochemie)
- Herbarium — Botanischer Garten der Universität Bern
- BUND vor Ort (Gruppensuche) — Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
- Naturschutzbund Österreich: Landesgruppen und naturbeobachtung.at — Naturschutzbund Österreich
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