Ratgeber Sukkulenten

Sukkulenten bestimmen und erkennen: Kakteen, Rosetten, Hängepflanzen

Die sechs Verwechslungen, an denen fast jede Bestimmung hängt, mit dem einen Merkmal, das sie trennt, und den Fotos, die du dafür brauchst.

Gouache-Tafel mit fünf Sukkulenten in Terrakottatöpfen: Zebra-Haworthie, Geldbaum, Aloe, hängender Eselsschwanz und ein Feigenkaktus mit gelber Blüte
Illustration (KI-generiert, nur zur Orientierung)

Kurz gesagt

Sukkulenten bestimmst du am sichersten paarweise: Hauswurz übersteht den Winter draußen, die Echeverie nicht. Haworthien haben durchscheinende Blattspitzen, Aloe weiße Randzähne. Der Geldbaum hat 2,5 bis 9 cm lange ovale Blätter und graue Stämme, der Speckbaum kleine runde Blätter an roten Stielen. Kakteen tragen Dornen auf Areolen, Euphorbien Dornenpaare und reizenden Milchsaft.

  • Fotografiere jede Sukkulente von oben, von der Seite (Stamm) und ein Blatt aus der Nähe; Blüten sind ein Glücksfall.
  • Echeverie und Hauswurz trennt der Winter: Hauswurz ist frosthart, Echeverien laut NC State Extension nicht wirklich.
  • Kaktus oder Euphorbie: Dornen aus Areolen gegen Dornenpaare entlang der Kanten. Nicht anritzen, um Milchsaft zu suchen.

Kakteen und Sukkulenten zu bestimmen ist schwerer, als es aussieht: Viele Arten wachsen als ähnliche Rosetten, Gärtnereien verkaufen Hybriden ohne Namen, und Licht verändert die Farbe stark. Die gute Nachricht: Fast jede Bestimmung hängt an wenigen Paaren, die sich ständig verwechseln. Wer das eine Merkmal kennt, das ein Paar trennt, braucht keinen Bestimmungsschlüssel.

Die schnelle Übersicht: sechs Paare, sechs Merkmale

Fotografiere deine Sukkulente von oben, von der Seite und ein Blatt aus der Nähe, dann suche hier dein Paar:

  • Echeverie oder Hauswurz: Bleibt die Rosette im Winter draußen am Leben und stirbt sie nach der Blüte ab, ist es eine Hauswurz (Sempervivum).
  • Haworthie, Aloe oder Gasterie: Durchscheinende „Fenster“ an den Blattspitzen sprechen für Haworthia, kleine weiße Zähne am Blattrand für Aloe, weiße Pünktchen auf der Blattfläche für Gasteria.
  • Geldbaum oder Speckbaum: Ovale Blätter von 2,5 bis 9 cm Länge und graue, geringelte Stämme sind der Geldbaum (Crassula ovata); kleine runde Blätter an roten Stielen der Speckbaum (Portulacaria afra).
  • Fetthenne: Kleine sternförmige Blüten in Büscheln und fleischige Blätter, oft kriechend oder als Polster: Sedum.
  • Kaktus oder Euphorbie: Dornen aus Areolen bedeuten Kaktus; Dornenpaare entlang der Kanten und kleine Blättchen deuten auf eine Euphorbie mit reizendem Milchsaft.
  • Hängende Sukkulenten: Erbsenrunde Blätter an Fäden sind die Erbsenpflanze (Curio rowleyanus); dicht überlappende, blaugrüne Blätter mit abwischbarem Reif der Eselsschwanz (Sedum morganianum).

Echeverie oder Hauswurz

Beide bilden flache Rosetten aus fleischigen Blättern, beide gehören zur Familie der Dickblattgewächse. Trotzdem stammen sie aus verschiedenen Welten.

Die Echeverie ist laut NC State Extension von Südwest-Texas bis Nordwest-Argentinien heimisch. Die Gattung umfasst fast 200 Arten und unzählige Hybriden. Die Blätter sind meist grau, meergrün oder blaugrün, Form und Zeichnung variieren stark. Einmal im Jahr schiebt sie Blütenstiele über die Rosette, mit hellrosa bis rötlichen Blüten, manchmal mit gelbem Schlund. Echeverien sind nicht wirklich frosthart und überwintern im Haus.

Die Hauswurz (auch Dachwurz, Sempervivum) stammt laut NC State Extension aus den Gebirgen Südeuropas und wird in ganz Europa kultiviert. Ihre Blätter sind dick und meist zugespitzt, die Spitzen oft purpurn. Sie bildet viele Tochterrosetten und wächst so zu dichten Polstern. Zwei Merkmale sind eindeutig: Sie ist frosthart (die Quelle nennt USDA-Zonen 3 bis 8, also auch das Klima in Deutschland, Österreich und der Schweiz), und jede Rosette stirbt nach der Blüte ab.

Feldtest: Steht die Pflanze seit dem Winter draußen in einer Mauerritze oder im Steingarten, ist es fast sicher eine Hauswurz. Steht sie im Topf auf der Fensterbank und hat grau- oder blaugrüne Blätter, spricht viel für eine Echeverie.

Haworthie, Aloe oder Gasterie

Diese drei kleinen Rosettenpflanzen aus dem südlichen Afrika werden im Handel oft zusammen angeboten und verwechselt. NC State nennt Aloe ausdrücklich als häufige Verwechslung der Haworthie.

Merkmal Haworthie Aloe Gasterie
Erkennungszeichen durchscheinende „Fenster“ an den Blattspitzen kleine weiße Zähne am Blattrand weiße Pünktchen auf der Blattfläche
Blätter klein, bei manchen Arten mit Zähnchen am Rand dick, zugespitzt, innen gelartiger Saft fleischig, ohne Stamm in einer Rosette, dunkelgrün bis grau
Blüte zart, röhrig, weiß bis rosa, an dünnen langen Stielen orange bis gelblich in langen Trauben hängende, zweifarbige Röhrenblüten an langen Stielen

Die Merkmale stammen aus den Steckbriefen von NC State zu Haworthia, Aloe vera und Gasteria. Ein Detail überrascht viele: Die bekannte „Zebra-Haworthie“ mit weißen, erhabenen Punkten in Querbändern auf der Blattunterseite führt NC State heute unter der Gattung Haworthiopsis, nicht mehr unter Haworthia. Haworthien bleiben klein, laut Quelle 5 bis 30 cm hoch.

Geldbaum oder Speckbaum

Der Geldbaum (Crassula ovata, auch Pfennigbaum oder Jadebaum) ist ein immergrüner Strauch aus Südafrika. Laut NC State Extension sind seine Blätter 2,5 bis 9 cm lang und 2 bis 4 cm breit, oval, dick und glänzend, mittel- bis dunkelgrün; in praller Sonne färbt sich der Rand rot. Die Stämme sind dick und geringelt, junge Triebe grün oder rötlichbraun, ältere grau mit abblätternder Rinde. Alles Weitere steht auf unserer Pflanzenseite zum Geldbaum.

Der Speckbaum (Portulacaria afra, auch Elefantenbusch) wird oft als „Mini-Geldbaum“ verkauft. Laut SANBI, dem südafrikanischen Biodiversitätsinstitut, hat er kleine, runde, fleischige Blätter und rote Stiele; in der Natur blüht er mit kleinen rosa Sternblüten.

Feldtest: Leg ein Blatt neben eine Münze. Ist es oval und deutlich größer als die Münze, und ist der Stamm grau geringelt, ist es ein Geldbaum. Sind die Blätter klein und rund und die Stiele rot, ist es ein Speckbaum.

Fetthenne und hängende Sukkulenten

Die Fetthenne (Sedum; einige Arten heißen Mauerpfeffer) ist mit über 300 Arten eine große Gattung; viele frühere Sedum-Arten führt die Botanik heute als Hylotelephium, darunter die hohen Garten-Fetthennen. Laut NC State Extension sind die Blätter fleischig, flach bis stielrund, die kleinen Blüten sternförmig in Büscheln, und die meisten Arten vertragen Kälte. Kriechende Polster im Steingarten oder auf der Mauer sind deshalb oft Fetthennen.

Zwei Sukkulenten hängen fast immer aus Ampeln:

  • Die Erbsenpflanze (Curio rowleyanus, früher Senecio rowleyanus) hat erbsenrunde Blätter von 6 bis 8 mm mit kleiner Spitze und einem dunklen, durchscheinenden Streifen an der Seite, laut NC State. Sie ist ein Korbblütler aus Südafrika.
  • Der Eselsschwanz (Sedum morganianum, auch Affenschwanz) trägt laut NC State bis zu 60 cm lange Triebe mit dicht überlappenden, blaugrünen Blättern. Der silbrige Reif lässt sich abwischen, und die Blätter brechen bei Berührung leicht ab.

Kakteen oder Euphorbien

Säulenförmige Euphorbien sehen aus wie Kakteen und stehen im Handel oft zwischen ihnen. Sie sind aber nicht verwandt.

Kakteen (Familie Cactaceae) erkennst du an den Areolen. Bei Mammillaria etwa sitzen laut NC State Extension auf jedem Höcker Areolen, aus denen die Dornen wachsen; die Dornen sind umgewandelte Blätter. Botanisch sind es deshalb Dornen, auch wenn im Alltag fast alle von Stacheln sprechen. Stacheln im botanischen Sinn sind Auswüchse der Oberhaut, wie bei der Rose.

Euphorbien (Wolfsmilchgewächse) haben keine Areolen. Der Afrikanische Milchbaum (Euphorbia trigona) hat laut NC State Extension dreikantige, gerippte Triebe mit kurzen, paarweise stehenden Dornen entlang der Kanten und kleinen, tropfenförmigen Blättern. Sein Milchsaft kann laut derselben Quelle Hautreizungen, Ausschlag, Blasen und starke Augenreizungen verursachen. Der Christusdorn (Euphorbia milii) trägt laut NC State spitze schwarze Dornen, normale grüne Blätter von etwa 5 cm und rote, rosa oder weiße Hochblätter; auch sein Milchsaft kann laut Quelle Kontaktdermatitis auslösen.

Feldtest ohne Risiko: Ritz die Pflanze nicht an, um Milchsaft zu suchen. Schau, ob die Dornen einzeln oder in Büscheln aus kleinen Punkten wachsen (Kaktus) oder paarweise entlang einer Kante sitzen, oft mit Blättchen dazwischen (Euphorbie). Beim Umtopfen einer Euphorbie trägst du Handschuhe und hältst Hände von den Augen fern. Der Christusdorn und der Afrikanische Milchbaum stehen außerdem auf der Liste besonders giftiger Pflanzen, die das Bundesinstitut für Risikobewertung 2021 im Bundesanzeiger veröffentlicht hat (Kategorie 2, vor allem der Milchsaft).

Giftnotruf: Bei Kontakt mit den Augen oder wenn ein Mensch, etwa ein Kind, etwas verschluckt hat, ruf den Giftnotruf an: in Deutschland das Giftinformationszentrum deines Bundeslandes (Übersicht des BfR), zum Beispiel den Giftnotruf Berlin unter 030 19240; in Österreich die Vergiftungsinformationszentrale unter 01 406 43 43; in der Schweiz Tox Info Suisse unter 145. Bei Tieren ruf sofort deine Tierarztpraxis oder den tierärztlichen Notdienst an. Mehr dazu im Ratgeber giftige Pflanzen für Katzen.

Sukkulenten per Foto bestimmen

Sukkulenten verraten auf einem einzigen Foto oft zu wenig. Drei Bilder helfen:

  1. Von oben: die ganze Rosette, damit Blattzahl, Form und Farbverlauf zu sehen sind.
  2. Von der Seite: Stamm, Ausläufer und Topf, damit sich Wuchs und Rinde zeigen.
  3. Ein Blatt aus der Nähe: Spitze, Rand und Oberfläche, denn dort sitzen Fenster, Zähne, Pünktchen oder Dornen.

Plant Identifier bestimmt aus einem dieser Fotos, mit der Kamera oder aus der Mediathek, und nennt den deutschen und den wissenschaftlichen Namen. Weichen, glasigen oder schrumpeligen Blättern geht das Werkzeug „Diagnose“ nach; die Pflegeanleitung und der Wasserrechner schätzen ein, wie viel Licht und Wasser die Pflanze braucht. Die App ist kostenlos zum Herunterladen und braucht eine Internetverbindung. Bei Echeverie-Hybriden ist ein Gattungsname oft das ehrliche Ergebnis. Für Zimmerpflanzen allgemein, auch ohne App, gibt es unseren Zimmerpflanzen-Bestimmungsschlüssel.

Was ein Foto nicht klären kann

  • Echeverien gibt es laut NC State Extension in fast 200 Arten und unzähligen Hybriden; ein Foto liefert dafür meist nur die Gattung, keinen Sortennamen.
  • Junge Pflanzen, gestresste Pflanzen (rot verfärbt, vergeilt) und Pflanzen ohne Blüte zeigen viele Merkmale nicht, an denen Aloe, Gasterie und Haworthie sicher zu trennen sind.
  • Ob eine Sukkulente für Katzen, Hunde oder Kinder giftig ist, entscheidet kein Foto. Frag im Zweifel den Tierarzt oder den Giftnotruf.

Häufige Fragen

Wie finde ich heraus, welche Sukkulente ich habe?

Mach drei Fotos: die Rosette oder Pflanze von oben, den Stamm von der Seite und ein Blatt aus der Nähe. Dann prüfe die Merkmale aus diesem Ratgeber: durchscheinende Spitzen, weiße Zähne, weiße Punkte, Dornen auf Areolen. Bei Hybriden der Echeverie kommst du oft nur bis zur Gattung.

Ist das ein Kaktus oder eine Euphorbie?

Schau, wo die Dornen sitzen. Bei Kakteen wachsen sie aus Areolen, kleinen Punkten auf Höckern oder Rippen. Euphorbien wie der Afrikanische Milchbaum tragen kurze Dornen paarweise entlang der Kanten, oft mit kleinen Blättern. Ritz die Pflanze nicht an: Der Milchsaft kann Haut und Augen stark reizen.

Welche Sukkulenten können im Winter draußen bleiben?

Die Hauswurz (Sempervivum) stammt aus den Gebirgen Südeuropas und ist frosthart; die meisten Fetthennen (Sedum) vertragen laut NC State ebenfalls Kälte. Echeverien sind laut derselben Quelle nicht wirklich frosthart. Haworthien, Aloe, Geldbaum und Kakteen aus dem Zimmerhandel überwinterst du im Zweifel frostfrei.

Sind Sukkulenten giftig für Katzen?

Manche ja: NC State Extension führt etwa Geldbaum und Aloe als Problem für Katzen und Hunde, den Afrikanischen Milchbaum als giftig. Keine Liste beweist, dass eine Pflanze harmlos ist. Bei Verdacht ruf die Tierarztpraxis an; für Menschen den Giftnotruf, etwa Berlin 030 19240, in Österreich 01 406 43 43, in der Schweiz 145.

Quellen

  1. Echeveria — NC State Extension Gardener Plant Toolbox
  2. Sempervivum tectorum (Hens and Chicks) — NC State Extension Gardener Plant Toolbox
  3. Haworthia — NC State Extension Gardener Plant Toolbox
  4. Aloe vera — NC State Extension Gardener Plant Toolbox
  5. Crassula ovata (Jade Plant) — NC State Extension Gardener Plant Toolbox
  6. Portulacaria afra — SANBI PlantZAfrica (South African National Biodiversity Institute)
  7. Euphorbia trigona (African Milk Tree) — NC State Extension Gardener Plant Toolbox
  8. Mammillaria — NC State Extension Gardener Plant Toolbox

Aktualisiert am · Geschrieben vom Plant-Identifier-Team · So schreiben wir unsere Ratgeber

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