Weidekraut im Porträt
Jakobskreuzkraut erkennen: Merkmale, Verwechslung und Weide
Goldgelbe Körbchen mit meist 13 Zungenblüten, fiederteilige Blätter und eine Rosette im ersten Jahr: So erkennst du Jakobskreuzkraut und was Pferdehalter laut BfR beachten sollten.

Kurz gesagt
Das Jakobskreuzkraut (Jacobaea vulgaris, früher Senecio jacobaea) erkennst du an vier Merkmalen: Im ersten Jahr bildet es nur eine Blattrosette. Im zweiten Jahr wächst ein aufrechter, oft rötlicher Stängel 30 bis 100 cm hoch. Die Stängelblätter sind fiederteilig mit stumpf gelappten Zipfeln. Von Juni bis Oktober trägt es goldgelbe Köpfchen mit meist 13 Zungenblüten und schwarz gespitzten Hüllblättern.
- Zähl die gelben Zungenblüten am Rand eines Köpfchens: meist 13, laut LELF Brandenburg 11 bis 15.
- Dreh das Köpfchen um: Die inneren Hüllblätter haben schwarze Spitzen.
- Das BfR warnt: Jakobskreuzkraut bildet Pyrrolizidinalkaloide, und lange Aufnahme kann beim Pferd zu schweren Leberschäden führen.
- Im Heu bleiben die Giftstoffe laut BfR erhalten, nur die Bitterstoffe verschwinden.
Bestimmungsmerkmale auf einen Blick
- Wissenschaftlicher Name
- Jacobaea vulgaris
- Familie
- Asteraceae (Korbblütler)
- Typ
- Unkraut, zweijährig
- Wuchs
- Zweijährig, manchmal länger: im ersten Jahr eine Blattrosette, im zweiten Jahr ein Blütenstängel; nach der Samenbildung stirbt die Pflanze laut LELF Brandenburg ab. Wird sie gemäht, kann sie mehrjährig werden.
- Stängel
- Aufrecht, 30 bis 100 cm, oft rötlich, gerieft, teils schütter behaart oder fast kahl.
- Blätter
- Untere Blätter leierförmig mit mäßig großem Endabschnitt, zur Blüte oft schon abgestorben. Stängelblätter wechselständig, fiederteilig mit nach vorn verbreiterten, stumpf gelappten Zipfeln und vielteiligen Öhrchen am Blattgrund.
- Blütenstand
- Meist 15 bis 20 goldgelbe Köpfchen in einer flachen Doldentraube, jedes etwa 1,5 bis 2,3 cm breit.
- Köpfchen
- Innen Röhrenblüten, am Rand 11 bis 15, meist 13 Zungenblüten.
- Hüllblätter
- 11 bis 15 innere Hüllblätter mit schwarzen Spitzen, dazu 2 bis 5 anliegende, etwa halb so lange Außenhüllblätter.
- Blütezeit
- Laut BfR etwa Mitte Juni bis September, in warmen Frühjahren früher; LELF Brandenburg nennt Juni bis Oktober.
- Wurzel
- Pfahlwurzel.
- Standort
- Weiden und extensiv genutztes Grünland, besonders bei lückiger Grasnarbe; dazu Brachen, Weg- und Straßenränder und Bahndämme.
Jakobskreuzkraut ist ein gelb blühender Korbblütler auf Weiden, Wiesen, Brachen und an Straßenrändern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Für Pferdehalter ist es die bekannteste Giftpflanze auf der Weide. Für Insekten ist es dagegen wertvoll: Die Wildlife Trusts zählen es zu den Blüten, die Schmetterlinge am häufigsten besuchen, und nennen über 200 Wirbellose, die man auf ihm gefunden hat. Mit vier Tests bestimmst du es sicher.
Jakobskreuzkraut erkennen in vier Tests
1. Rosette oder Stängel? Jakobskreuzkraut ist laut Bundesinstitut für Risikobewertung zweijährig, manchmal länger ausdauernd. Im ersten Jahr bildet es eine Rosette am Boden, im zweiten Jahr wächst es auf etwa 60 bis 100 cm. Die Folien von LELF Brandenburg nennen 30 bis 100 cm und beschreiben den Stängel als aufrecht, oft rötlich, gerieft und teils schütter behaart.
2. Blätter ansehen. Die unteren Blätter sind leierförmig mit einem mäßig großen Endabschnitt und zur Blüte oft schon abgestorben. Die Stängelblätter stehen wechselständig und sind fiederteilig, mit nach vorn breiter werdenden, stumpf gelappten Zipfeln. Am Blattgrund sitzen vielteilige Öhrchen. Die Wildlife Trusts beschreiben die Blätter als „federartig“, weil sie stark geteilt sind.
3. Zungenblüten zählen. Die Köpfchen sind goldgelb, 1,5 bis 2,3 cm breit und stehen meist zu 15 bis 20 in einer flachen Doldentraube. Am Rand jedes Köpfchens sitzen 11 bis 15, meist 13 gelbe Zungenblüten, innen Röhrenblüten.
4. Köpfchen umdrehen. Unter dem Köpfchen liegen 11 bis 15 innere Hüllblätter mit schwarzen Spitzen, dazu 2 bis 5 anliegende, etwa halb so lange Außenhüllblätter. Dieser Blick hilft besonders, wenn du andere gelb blühende Kreuzkräuter ausschließen willst.
Bist du unsicher, fotografiere ein Köpfchen von oben, eins von unten und ein Stängelblatt. Plant Identifier bestimmt die Pflanze aus einem Foto; die App zeigt aber keinen Sicherheitswert und keine Liste ähnlicher Arten. Prüf das Ergebnis deshalb mit den Zungenblüten und Hüllblättern, und lass einen Fund auf der Pferdeweide im Zweifel vom Pflanzenschutzdienst bestätigen.
Wo Jakobskreuzkraut wächst
Laut BfR wächst es vorzugsweise auf Weiden und extensiv bewirtschaftetem Grünland, besonders dort, wo die Weidepflege mangelhaft ist, außerdem auf Brachen, an Weg- und Straßenrändern und auf Bahndämmen. LELF Brandenburg nennt sonnige, trockene Standorte mit sandigen oder lehmigen Böden; auf regelmäßig bearbeiteten Äckern hält es sich nicht. Eine Pflanze bildet laut LELF bis zu 10.000 Samen, die meisten landen im Umkreis von 5 m, ein kleiner Teil fliegt mit dem Wind weiter.
Im Garten taucht es eher selten auf, am ehesten in naturnahen Wiesen oder an Rändern. Die Wildlife Trusts schreiben, dass es in Gärten oder auf Brachflächen meist kein großes Problem ist, wohl aber auf Pferdekoppeln und Weiden. Welche anderen Kräuter im Rasen wachsen, zeigt der Ratgeber Unkraut im Rasen bestimmen. Weitere gelb blühende Pflanzen grenzt das Werkzeug Blumen bestimmen nach Farbe ein.
Was BfR und Pflanzenschutzdienste empfehlen
Das BfR rät Pferdehaltern auf seinem Merkblatt unter anderem:
- vor der Samenreife zu mähen, ab Ende Juni, in warmen Frühjahren früher;
- Einzelpflanzen samt Wurzelsystem auszugraben, bevor sie blühen und Samen bilden;
- jegliches Pflanzenmaterial von der Fläche zu entfernen und sorgfältig zu entsorgen, einzelne Pflanzen etwa im Hausmüll;
- Heu zu prüfen und Silage zu kontrollieren;
- die Grasnarbe geschlossen zu halten und Lücken nachzusäen.
Auf Flächen mit Naturschutzauflagen ist laut BfR Rücksprache mit der zuständigen Naturschutzbehörde nötig. Wenn du ein Pflanzenschutzmittel einsetzen willst, halte dich an Etikett und örtliche Regeln. Auf Wegen, Einfahrten und Pflaster ist laut Landwirtschaftskammer NRW Unkrautbekämpfung mit Salz oder Hausmitteln verboten.
Jakobskreuzkraut und Tiere
Laut BfR bildet Jakobskreuzkraut Pyrrolizidinalkaloide; bei langfristiger Aufnahme kann es beim Pferd zu schweren Leberschäden kommen. LELF Brandenburg nennt die Pflanze sehr stark giftig und schreibt, die verschiedenen Nutztierarten vertrügen sie unterschiedlich. Die Wildlife Trusts nennen sie giftig und für Nutztiere schädlich, wenn sie gefressen wird. Weidetiere meiden die Pflanze oft, doch laut BfR fressen sie sie, wenn auf der Weide Futter fehlt, und Tiere ohne Weideerfahrung meiden giftige Pflanzen oft nicht. Im Heu verschwinden die Bitterstoffe, die Giftstoffe bleiben. Wächst auf deiner Weide Jakobskreuzkraut oder findest du es im Heu, frag deine Tierarztpraxis. Zu Hunden und Katzen nennen die hier zitierten Quellen nichts; welche Gartenpflanzen Quellen als giftig führen, sammelt der Ratgeber Giftige Pflanzen im Garten.
Hat ein Tier eine unbekannte Pflanze gefressen, ist die Tierarztpraxis die erste Adresse. Hat ein Kind an einer Pflanze gekaut, ruf den Giftnotruf an: in Deutschland das Giftinformationszentrum deines Bundeslandes, im Norden etwa GIZ-Nord unter 0551 19240, in Österreich die Vergiftungsinformationszentrale unter 01 406 43 43, in der Schweiz Tox Info Suisse unter 145. Die Hinweise im Werkzeug „Toxikologie“ von Plant Identifier schreibt eine KI; sie ersetzen keine Beratung.
Ähnliche Arten und wie du sie unterscheidest
Frühlings-Kreuzkraut (Senecio vernalis)
Fühl die Blätter: Beim Frühlings-Kreuzkraut sind sie laut LELF Brandenburg beidseitig dicht spinnwebig-wollig behaart, die unteren Blätter sind zur Blüte meist noch da. Es ist einjährig und blüht schon ab April. Beim Jakobskreuzkraut sind die unteren Blätter zur Blüte oft abgestorben, und der Stängel ist höchstens schütter behaart.
Was ein Foto nicht klären kann
- Als Rosette im ersten Jahr ist Jakobskreuzkraut auf einem Foto schwer von anderen Kräutern zu unterscheiden. Sicherer wird es mit Blüte: Fotografiere ein Köpfchen von oben und eins von unten, damit Zungenblüten und Hüllblätter zu sehen sind.
- Ob ein Tier krank ist oder wie viel Jakobskreuzkraut im Futter zu viel ist, beurteilt die Tierarztpraxis, nicht eine App. Laut LELF Brandenburg lässt sich keine Menge ableiten, bis zu der Risiken sicher ausgeschlossen sind.
- Ob und womit du auf Weide oder Wiese etwas bekämpfen darfst, sagen dir weder diese Seite noch eine App, sondern Etikett, Gesetz und der Pflanzenschutzdienst deines Landes.
Häufige Fragen
Wie sieht Jakobskreuzkraut aus?
Im ersten Jahr ist es eine flache Blattrosette. Im zweiten Jahr wächst ein aufrechter, oft rötlicher Stängel 30 bis 100 cm hoch, mit fiederteiligen Blättern. Oben sitzen viele goldgelbe Köpfchen, 1,5 bis 2,3 cm breit, mit meist 13 Zungenblüten.
Ist Jakobskreuzkraut giftig für Pferde?
Laut BfR bildet Jakobskreuzkraut Pyrrolizidinalkaloide; bei langfristiger Aufnahme kann es beim Pferd zu schweren Leberschäden kommen. LELF Brandenburg nennt die Pflanze sehr stark giftig. Frisst dein Pferd davon oder steckt es im Heu, frag deine Tierarztpraxis.
Ist Jakobskreuzkraut im Heu noch giftig?
Ja. Laut BfR werden bei der Heubereitung die Bitterstoffe abgebaut, die Giftstoffe bleiben aber erhalten. Tiere können die Pflanzen im Heu deshalb unbemerkt fressen. Das BfR rät, Heu zu prüfen und Jakobskreuzkraut zu entfernen; auch Silage muss kontrolliert werden.
Welche Pflanze ähnelt Jakobskreuzkraut?
Vor allem andere Kreuzkräuter, etwa das Frühlings-Kreuzkraut. Es hat laut LELF Brandenburg dicht spinnwebig-wollige Blätter und blüht schon ab April. Beim Jakobskreuzkraut helfen die meist 13 Zungenblüten und die schwarz gespitzten Hüllblätter.
Was tun gegen Jakobskreuzkraut auf der Weide?
Das BfR rät, vor der Samenreife zu mähen, Einzelpflanzen samt Wurzel auszugraben und alles Pflanzenmaterial von der Fläche zu entfernen. Eine dichte Grasnarbe beugt vor. Wenn du ein Mittel einsetzen willst, halte dich an Etikett und örtliche Regeln.
Quellen
- Jakobskreuzkraut – Vorbeugung und Bekämpfung auf Pferdeweiden — Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
- Kreuzkräuter – Vorkommen und Erfahrungen zur Bekämpfung — LELF Brandenburg (C. Tümmler), über Landwirtschaft in Sachsen
- Common ragwort — The Wildlife Trusts
- Keine Unkrautbekämpfung mit Salz oder Hausmitteln! — Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Pflanzenschutzdienst
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